Ungeduldig stand ich vor Brieseltrim und wartete darauf, dass er mir mein Berichtsthema zuwies.
„Belgariad, hmm ja, Du warst doch derjenige, welcher sich immer über die Mönche auf der Barke beschwerte, von wegen unnötigem Geschaukel und so. Ich glaub, ich hab da ein besonders interessantes Thema für Dich. Du könntest uns ja einmal über die verschiedenen Schiffsrouten in diesem, unserem geliebten Morgengrauen berichten.“

Ausgerechnet Schiffe! Konnte es nicht irgend etwas anderes sein? Menschenfressende, insektoide Wolfsharpyien oder sowas. Schiffe! Naja gut, Schiffe haben schon einen Sinn, schließlich können Menschen und Elfen durchaus schwimmen, aber nicht sonderlich lange. Und Hobbits oder Felinen in das Wasser zu lassen, würde die Gefahr aufkommen lassen, irgendwann den Abfluss mit Haaren zu verstopfen. Und Zwerge, naja ihr wisst ja, dass sie nichts mehr als Wasser hassen.

Nun gut, da ein Trves ja bekanntlich nichts fürchtet außer Trina im Aerobicfieber, machte ich mich also auf zu einem der wohl größten Häfen im gesamten Morgengrauen, dem schönen Port Vain. Nach einer kurzen Stippvisite bei der exerzitiel übervorteilten Drachenschildkröte stand ich innerhalb kürzester Zeit vor einer interessanten Tafel, die eine ganze Menge von Schiffsverbindungen aufwies. Wild entschlossen sprang ich denn auch auf das erste Schiff auf, das in den Hafen einschipperte.

Wie es das Schicksal wollte, war jenes Schiff eine Galeere voller Orks, die ausgesprochen orkgerecht, also ziemlich menschenunwürdig, angetrieben wurde. Erfreut ob dieser netten Behandlung der Orkfressen wollte ich dem Kapitän der Galeere meine Glückwünsche zu seiner zwar hässlichen aber effektiven Antriebsmaschinerie aussprechen und mich nach dem Ziel der Reise erkundigen. Doch leider hat diesem der lange Umgang mit den Lauspelzen wohl auf das Gemüt geschlagen, denn außer missmutigem Gebrummel und ein paar Ohrfeigen war von ihm nichts zu erfahren. So war ich denn auch froh, als wir den Steg des Verlorenen Landes rammten und ich den so angebufften Steg betreten konnte, bevor die Galeere wieder nach Port Vain zurückkehrte. Um mir dieses Mühsal beim nächsten Mal zu ersparen, beschloss ich sofort, das Seherportal ausfindig zu machen.

Als ich wieder zurück am Steg angelangt war, schwappte sofort ein Fass an, dem ein leicht zittriger, bumerangtragender Alkoholiker entstieg, der mich dann sofort um eine Pulle Bier anbettelte. Nett wie ich bin, bot ich ihm eine Flasche Schüttelbier gegen die Information, was es denn mit dem Fass auf sich hätte. Und so erfuhr ich denn von dem Weg nach Shaky Island. Auf eine Fahrt mit dem Fass habe ich dann allerdings doch verzichtet, da sich neben dem penetranten Geruch nach Bier auch noch Reste des Mageninhaltes derjenigen Bierschüttler fanden, die mit dem Ausnüchtern ein kleineres Problem haben und dieses nach Schüttlerart mit einer weiteren Pulle zu übertünchen trachteten. Der dritte gute Grund, das Fass nicht zu benutzen, war die Tatsache, dass ich schon im Besitz des sich auf Shaky Island befindlichen Portals war.

Außer diesem doch recht anrüchigen Transportmittel findet man übrigens auch die wohl jedem Trves bekannte Betbruderbarke, die uns zur schönen Insel Akhar Nth’tar bringt und von dort zur Insel am Ende der Welt. Die Reise zur Insel am Ende der Welt hab ich unterlassen, da sich jenes Portal bereits in meinem Gedächtnis eingeprägt hatte. Deshalb setzte ich mit jener Barke zu unserer schönen Heimatinsel über. Danach machte ich mich auf den Weg zu unserem Struv, wo ich unterwegs auf einen freundlichen Fischer stieß, der mich in seinem Boot über den Fluss brachte. Endlich im Struv angekommen, ruhte ich mich von dem anstrengenden Fußmarsch aus. Achja ich vergaß – unterwegs bin ich zufällig an zwei Seherportalen vorbeigelaufen, die mir bisher verborgen geblieben waren. Nach ein, zwei weiteren Krügen Suff und einem „kleinen“ Gelage machte ich mich dann jedoch wieder auf, um die Schiffsrouten weiter zu erkunden.

Deshalb begab ich mich schnell über das frischentdeckte Sehertor zurück nach Port Vain, wo ich mich auf das gerade eintrudelnde Floss begab. Meine Güte, was für ein Wrack! Gerademal ein torkelnder Boden mit Holzpfahl und Matrosenreizwäsche als Segel. Und dann dieses Schlingern! Ich werde nie wieder bei einem Gelage vor einer Bootsfahrt mitmachen. Naja, den diversen fliegenden Fischen und Seeungeheuern, welche mich begleiteten, schien es zu schmecken. Nach geradezu endlosem Schlingern entdeckte ich endlich Titiwu vor mir und ich entfleuchte dem wasserüberspülten Floß, um meine Stiefel zu trocknen. Nachdem meine Zehen wieder in einem trockenen Treterfutteral steckten, machte ich mich schweren Herzens auf, das seltsame Floß erneut zu betreten und meine Reise fortzusetzen. Von Titiwu kam ich so zur schönen Sonneninsel, wo ich mich erstmal mit Susanne über allerlei Themen unterhielt und das Floß nach Port Vain zurückkehren ließ. Anschließend ritt ich dann auf dem glitschigen Rücken eines Wales zurück nach Titiwu. Dort machte ich mir dann den Spaß, mithilfe eines herumliegenden Surfbrettes über die Wellen nach Tamibar zu surfen. Immer wenn ich einen three-sixty über eine Welle machte, sah ich einige Tiere. Dabei fiel mir besonders eine Seeschlange auf, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Nach diesem Spaß war ich richtig in Forscherlaune und entdeckte so inmitten des Dschungels ein Seherportal.

Zurück am Strand betrat ich dann eine kleine Jolle, welche sich trotz des alkoholisierten Kapitäns als schön schnelles Schiff erwies. So tukerte ich zusammen mit der Besatzung nach Port Vain und von dort wieder zur Sonneninsel. Unterbrochen wurde die Reise nur von zwei Fischen, die seltsamerweise Werbung für die Reederei „Jodhaho“ machten. Interessanterweise kann man sich übrigens auf der Jolle ein etwas anderes Äußeres verpassen lassen. Auf der Sonneninsel unternahm ich dann eine kleine Wanderung, in deren Verlauf ich bald auf die Anlegestelle eines Luftkissenbootes stieß. Nach einiger Wartezeit kam dieses Luftkissenboot auch endlich an. Erstaunt musste ich feststellen, dass auch hier von der Muskelkraft von Orks Gebrauch gemacht wird. Ich machte mir eine geistige Notiz, bei nächster Gelegenheit die Orks der Schreckensspitze nicht zu töten, sondern gewinnbringend dem Tierarbeitsmarkt zuzuführen. Innerhalb kürzester Zeit kam ich dank des Muskelschmalzes der Pelzgrunzer an der Feuerinsel an. Doch dort war meines Verweilens nicht und ich setzte die Reise bis zur Rieseninsel fort. Von dort fuhr ich noch ein Stückchen mit und stieg dann nach einem erneuten Stopp an der Sonneninsel doch noch an der Feuerinsel aus. Dort machte ich dann für 200 Münzen einen kleinen Ausflug zu einer Sandbank mit einem halblinggetretenen Tretboot. Leider erwies sich das Geld als nicht gerade gut angelegt, da sich die Aussicht dann doch als bescheiden erwies. Wieder auf der Feuerinsel bestieg ich dann ein durchsichtiges Geisterschiff, auf dem ich auch sofort den Durchschnitt der Lebenden an Bord um 100 % erhöhte. Dieses Schiff brachte mich zwar nicht trockenen Fußes, aber doch relativ zügig auf die Magieinsel. Nach einem kleinen Exkurs fand ich auch hier ein Seherportal, mit dem ich sehr zügig wieder nach Port Vain kam.

In Port Vain angekommen, beschloss ich, mich auf dem Postschiff in Richtung Lofoten einzuschiffen. Dieses Schiff erwies sich als geradezu penibel sauber, und das trotz der Unmengen von Möwen, die nur darauf warten, das Deck des Schiffes mit allerlei wortwörtlichem Abfall zu verunzieren. Diese Möwen ließen sich leider auch nicht durch einen kreisenden Seeadler verjagen. Da die Schiffahrt durch nicht ungefährliche Engen führte, wandte ich mich alsbald vom Himmel dem Wasser zu, wo sich Quallen und Fische über meine Aufmerksamkeit freuten. Letztendlich kam dann doch Svolvær in Sicht und wir Passagiere wurden mit freundlichen Hinweisen auf die richtige Seite des Schiffes geleitet, um selbiges zu verlassen.

Auf Svolvær lief ich etwas am Hafen entlang und fand ein kleines Schiff, das man leider nur mit einer Versicherungspolice betreten darf. Ich versuchte den Kapitän zu übereden, dass er mich trotzdem mitnimmt. Aber er bliebt unerbittlich. Von diesem Streit erschöpft, beschloss ich, den Rückweg nach Port Vain nicht etwa mit diesem Gefährt sondern per Sehertor anzutreten. Auf dem Weg zum Portal stieß ich jedoch auf ein freundliches, geflügeltes Pferd genannt Pegasus. Es lud mich ein, eine Runde mit ihm zu fliegen. Gutmütig wie ich bin, konnte ich ihm den Wunsch einfach nicht abschlagen. Langsam stiegen wir in die Höhe. Die frische Luft machte mich sehr müde, woraufhin ich dann sehr bald einschlief. Plötzlich wurde ich von einem komischen Heulen geweckt. Außerdem war es schweinekalt. Wir mussten wohl in der Nähe des Polargebietes gelandet sein. Nach kurzem Aufenthalt stieg Pegasus wieder in die Lüfte. Wir näherten uns einer kleinen Stadt am Rande des Gebirges. Als wir gelandet waren, stellte ich fest, dass es sich um die Zwergenstadt handelt und ich beschloss, nicht abzusteigen, um entwaigen Kämpfen aus dem Wege zu gehen. Pegasus beruhigte mich und meinte, dass der nächste Landeplatz sich in Port Vain befindet. Gottfroh über diese Äußerung lehnte ich mich zurück und genoß den letzten Teil des Fluges. Leider nimmt Pegasus nur betagte Spieler mit, um ihnen das Leben zu erleichtern. Natürlich kann ein Seher auch einen „normalen“ Spieler zum Flug einladen.

Im Hafen von Port Vain fand ich noch ein kleineres Schiff, das aber nur anlegt, wenn man den Kapitän des Schiffes in einer Kneipe aufsucht und ihn mit einer Pulle Rum besticht. Da ich aber auf diesen Stress und vor allen Dingen auf Heino keine Lust hatte, wand ich mich dem letzten der auf der Tafel aufgeführten Schiffe, dem Piratenschiff, zu. Auf diesem Schiff fand ich mal wieder einen alkoholsüchtigen Kapitän vor, der von seinem Steuermann an gefährlichen Stellen der Überfahrt nicht ganz freiwillig unterstützt wird. Begleitet wird das Schiff von fliegenden Fischen und einem, oh wer hätte das wohl erraten, jawohl einem Seeungeheuer. Trotz der Tatsache, dass sich die Besatzung dieses Schiffes nicht gerade mit einem legalen Broterwerb beschäftigt und vor allem durch das Ausrauben anderer Schiffe ihr Leben finanziert, verlief die Überfahrt dermaßen langsam und friedfertig, dass ich die Stationen Aurora und Tortuga doch glatt verpasste und erst wieder in Port Vain ausgeruht Land betreten konnte. Leider erfuhr ich erst später, bei einem Gelage mit meinen Freunden, dass sich auf Aurora auch ein Seherportal befindet.

Ich beschloss, etwas am Strand entlang zu spazieren. Dabei traf ich am Ende desselbigen bei Cifers Höhle auf eine Eisscholle, die ich kurzentschlossen betrat, nur um mir Weihnachtslieder von einem nasal benachteiligten Schneemann anzuhören. Nach einiger Zeit der Fahrt kündigte mir ein bisher versteckter Eskimo das Ende der Fahrt und die Ankunft an der Tundra in der Nähe der Eismine an. Nach einem kurzen Aufenthalt im nahegelegenen Eispalast konnte ich einige Orks der jofigen Seefahrt zuführen. Ich beschloss, nicht den einfachen Rückweg mit der Eisscholle zu nehmen, sondern den beschwerlichen durch die Tundra. Ich kämpfte mich durch Tonnen von Schnee und erlegte unterwegs noch ein paar Schneehühner, die ich mit meinem Bienenstachel grillte.

Endlich gelangte ich in eine Stadt im hohen Norden. Als ich durch die Straßen von Moulokin schlenderte, wurde ich fast von einem betrunkenen Kutscher überfahren. Fluchend rannte ich im hinterher, doch am Kai verlor ich ihn. Als ich wütend am Kai stand, legte auf einmal ein Eissegler an. Kurzentschlossen betrat ich ihn. Um meiner Wut Luft zu machen, tötete ich kurzer Hand alle an Bord anwesenden Leute und tat mich danach in der Kombüse gütlich. Hunnars Beinschienen erwiesen sich als echte Trophäe. Endlich legte das Schiff an einer kleinen Insel mitten im Eismeer an. Enttäuscht von der kleinen Insel beschloss ich, den langen Heimweg anzutreten. Nachdem ich mich hundert mal in der Tundra verlaufen hatte, fand ich endlich einen Weg, der mich wieder in die Heimat brachte. Als ich im Elfendorf ankam, fing ich damit an, meine nautischen Erlebnisse zu Papier zu bringen. Ich hoffe, dass dieser Bericht meinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern im Struv helfen kann, die Weiten des Morgengrauens sicher zu beschiffen. Sollten noch Fragen offen bleiben, so findet man mich immer wieder in unserer schönen Struvkneipe.

Belgariad