Eine Abhandlung über das pflanzliche Leben und seinen Lebensraum im Höhlenlabyrinth der Schreckensspitze unter besonderer Berücksichtigung von nützlichen Informationen für Mitglieder des Koru-Tschakar-Struvs

Vorwort

Da das pflanzliche Leben in der Schreckensspitze sich ausschließlich auf die Pflanzenebene beschränkt, tut es ihm dieser Bericht nach. Dafür soll auch eventuelles tierisches Leben, das sich in dieser Umgebung eingenistet hat, wenigstens am Rande erwähnt werden, obwohl es nicht zum Hauptthema dieses Berichtes gehört.

Ein besonderes Augenmerk soll bei der Betrachtung auf Gegenstände gerichtet werden, die dem Trves in seinem Kampf gegen die Kreaturen dieser Welt vonnutzen sein könnten, insbesondere Waffen, Rüstung u. ä.

1. Das pflanzliche Leben auf der Pflanzenebene der Schreckensspitze

Das pflanzliche Leben in der Schreckensspitze gliedert sich in zwei große Gruppen: Auf der einen Seite ganz normale, friedliche Pflanzen, auf der anderen Seite offenbar magisch veränderte Riesengewächse, die dem Trves nicht immer friedlich gegenüberstehen.

Befassen wir uns zunächst mit den normalen Pflanzen auf der Pflanzenebene. Zu allererst stellt sich die Frage, wie die Pflanzen das für sie zum Wachsen unentbehrliche Licht bekommen. Die Frage ist leicht beantwortet, denn an so gut wie jeder Stelle der Pflanzenebene geben die Wände ein Leuchten in den verschiedensten Farben ab, das den Pflanzen das Wachstum ermöglicht. Auf der Grundlage dieses Lichtes hat sich in diesem Lebensraum pflanzliches Leben verschiedenster Art entwickelt. Während Efeu und Lianen an vielen Stellen die Wände bedecken, findet sich dort auch an mancher Stelle braunes, grünes oder gelbes Moos. Am Boden findet man Gras, Büsche, Sträucher und Blumen verschiedenster Art, besonders Tulpen, aber auch Moos unterschiedlichster, insbesondere aber goldener Farbe. Dieses Moos soll, wenn man darauf schläft, Visionen hervorrufen, die einem den Fundort eines magischen Trankes oder wenigstens eines kleinen Schatzes verraten. Ebenso zu finden sind Bäume, insbesondere Nadelbäume wie Tannen, Fichten und Kiefern in den nördlichen Gefilden, aber auch ein Gewächs, das an einen Kirschbaum erinnert, sowie ein Baum, dessen Äste die Leiter in die nächsthöhere Ebene bilden. Zu erwähnen wären noch verschiedenste Pilze – unter anderem Fliegenpilze – und noch diverse Beeren an Sträuchern und andere Früchte von Bäumen oder Ähnlichem, von denen manche sogar eine geringe Heilwirkung besitzen. Die Decke der Gänge hingegen ist oftmals nicht zu sehen und sonst nur spärlich bewachsen, doch an einer Stelle kann man sehen, dass sich das ansonsten in dem Gebiet vorherrschende Gewächs, nämlich das Gras, auch bis an die Decke ausgebreitet hat.

An manchen Stellen ist der Bewuchs durch all diese verschiedenen Pflanzen, insbesondere durch den der Schlingpflanzen,so dicht geworden, dass an ein Weiterkommen wenn überhaupt nur unter Verwendung von Macheten oder Ähnlichem zu denken ist.

Insbesondere in den nördlichen Gefilden dieser Ebene wird das Gelände durch Pflanzen unwegsam, aber auch Gummistiefel sind an manchen Stellen unbedingt vonnöten, um die weiter nördlich liegende Vegetation genauer in Augenschein nehmen zu können, da dort der Boden schlammig und morastig wird.

Kommen wir nun aber zu den eigentlich wesentlich interessanteren Bewohnern der Pflanzenebene, nämlich den eigentlichen Kreaturen, die man sofort an ihrer unwahrscheinlichen Größe und auch an ihrem mitunter etwas seltsam anmutenden Äußeren erkennen kann. Diese Gewächse sehen zwar furchterregend aus, sind aber nicht wirklich bösartig und greifen nicht von sich aus an. Lässt man es aber wirklich auf einen Kampf mit ihnen ankommen, kann man leicht die eine oder andere schwere Wunde davontragen.

Da wäre zunächst das Tentakelmonster: Ein Gebüsch, aus dem viele Lianen ragen, mit denen ihr Besitzer wild um sich schlagen und mitunter auch seinen Gegner würgen kann. Seine Ausmaße sind so gewaltig, dass es mitunter den Weg völlig versperrt, ohne eine Möglichkeit zu lassen, sich an ihm vorbeizuschleichen.
Im Umfeld ihrer kleinen, hübsch anzusehenden Artgenossen haust die Mördertulpe, die oftmals versucht, sich an einen Gegner anzuschleichen und ihn ins Bein zu beißen.

Ebenfalls in passender Umgebung findet man einen mörderischen Fliegenpilz, der abgesehen von seiner Größe und seinem hungrigen Riesenmaul sehr an die normalen, weniger gefräßigen Exemplare dieser Gattung erinnert.

Unter den Pflanzen, die Ähnlichkeit zu heimischen Gewächsen aufweisen, wäre noch der blubbernde Löwenzahn zu nennen, der aber keine Wurzeln besitzt und außerdem mit seinem Blubbern einem arglosen Abenteurer gehörig auf die Nerven gehen kann.

Zu den nicht heimischen Pflanzen müssen hier die beiden Arten von fleischfressenden Pflanzen gerechnet werden, nämlich der Sonnentau und die Venusfliegenfalle. Während der Sonnentau sich weitestgehend mit Fliegen zufriedengibt, lässt die Venusfliegenfalle sich auch einen schmackhaften Abenteurer als Hauptgericht nicht entgehen. Ansonsten weisen sie außer ihrer Größe keinen entscheidenden Unterschied zu den normalen Exemplaren ihrer Gattung auf.

Ein besonderes Augenmerk soll hier auf die meuchelnde Würgertanne gerichtet werden. Sie ist eine übergroße Tanne, die mit einem Baumstamm, der von ihren Ästen gehalten wird, kämpft. Hierzu findet sich in Teil 2 dieser Abhandlung ein Augenzeugenbericht eines leider namentlich nicht erwähnten Trves, der sich eingehender mit diesem Gegner befasst.

Nur am Rande erwähnt werden sollen die tierischen Bewohner der Pflanzenebene, nämlich ein Tiger, der sich in der Wildnis der Pflanzen versteckt hält, ein Sumpfdrache, der in den morastigen Gegenden der Ebene lebt, und schließlich eine riesige Weinbergschnecke, die in den letzten Ausläufern des Pflanzenbewuchses in der Schreckensspitze beheimatet ist.

2. Ein Augenzeugenbericht über einen Kampf mit der Würgertanne

„Ich hatte mich aufgemacht, die Schreckensspitze zu erforschen, und nachdem ich mich durch die metallenen Gänge der obersten Ebene geschlagen hatte, erblickte ich die unwahrscheinliche Vielzahl verschiedenster Pflanzen in der nächsten Ebene. Ich sah fleischfressende Pflanzen, aß Beeren von unbekannten Sträuchern, schlief auf goldenem Moos, bis ich dachte, alles gesehen zu haben. Doch hinter einem Gestrüpp, das ich mit gezielten Schlägen meines Zaakh in Trockendünger verwandelte, fand ich noch einen weiteren Gang.

Nachdem ich noch eine Venusfliegenfalle davon überzeugt hatte, dass ich doch nicht als Nachtisch für den gerade verschlungenen Katzenkrieger geeignet war, stand ich diesem unglaublichen Monster gegenüber. Sechs Meter hoch und in ihren zu seltsamen Fäusten geballten Ästen hielt sie einen geradezu unanständig großen Baumstamm, mit dem sie mich zerschmettern wollte. Lange Zeit wich ich den Schlägen aus und brachte selbst Schlag um Schlag an, bis sie endgültig zusammenbrach.

Völlig erschöpft konnte ich dem nun natürlich seiner Bande ledigen und somit wieder der Schwerkraft unterliegenden Baumstamm nicht mehr ausweichen, der mich punktgenau auf den Kopf traf. Ich stand da, und war für einige Sekunden völlig betäubt und zu keiner Gegenwehr mehr fähig – gut, dass der Gegner schon besiegt war – und keine Unterstützung kam. Als ich wieder zur Besinnung gekommen war, schaute ich mir diese Waffe etwas genauer an. Sie war schwer und sicherlich als Keule zu gebrauchen. Und aus irgendeinem Grunde kam mir die alte Sage von Odysseus in den Sinn, der ja mit genau so einem Baumstamm den Zyklopen Polyphem blendete, indem er ihm sein einziges Auge ausbrannte. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Vorsehung mit dieser Vision irgendetwas sagen wollte, aber mir wollte partout nicht einfallen, was es sein könnte. Auf jeden Fall steckte ich die Waffe in meinen Waffengürtel und nahm sie mit, denn wer konnte schon wissen, ob sie nicht eines Tages zu etwas gut sein würde.“

Damit sind wir auch schon am Ende dieses Berichtes angelangt und hoffen, dem Leser neue Informationen, aber auch nicht zu viele und zu genaue, geboten zu haben und er sich nun ermutigt und motiviert fühlt, die Pracht der Pflanzen in der Schreckensspitze einmal selbst genauer in Augenschein zu nehmen.

Dragonheart JasonRigid, der Ritter des Alten Codex