Vor langer Zeit …

Da hatte ich mir ja wieder etwas Schönes eingehandelt … Damals – bei der feierlichen Beförderung in den höchsten Rang der Takal´Mor – war die Welt noch in Ordnung. Endlich hatte ich auch die letzte der Ausbildungsstunden, die im Koru-Tschakar-Struv von unseren gestrengen Ausbildern gehalten wurde, hinter mich gebracht und konnte mich nun daran machen, den Monsterscharen dieser Welt zu beweisen, dass nicht nur Magie, sondern auch der kalte Stahl meiner ach so geliebten Klingenwaffen tödlich sein kann.

Aber es kam natürlich alles anders als gedacht. Statt einer wenigstens ansatzweise erkennbaren anerkennenden Geste über die durchgestandenen Tortouren fuhr Brieseltrim mich sogleich an: „Denken sie bloß nicht, sie könnten ab jetzt den ganzen Tag faul in der Hängematte liegen und irgendwelche Helfershelfer ihre Arbeit machen lassen!!“

Ich schaute Kommandant Briesel verblüfft an.

„Und falls sie es noch nicht bemerkt haben sollten … Vor Kurzem haben sich die ersten Generäle durch ihr Können in der Schreckensspitze ausgezeichnet. Allerdings sehe ich bei IHREN Fähigkeiten bisher kein Potenzial für solche Leistungen! <Pause> Aber ich will die Hoffnung bei einem unserer ersten Rekruten mal nicht völlig aufgeben. Irgendwann sollten auch SIE in der Lage sein, die Anforderungen zu erfüllen.“

In Gedanken über alternative Nutzungsmöglichkeiten des „Folterkellers“ und mit finster blickenden, auf Brieseltrim gerichteten Augen, die selbst Kruuolq beeindruckt hätten, hörte ich mir die Aufzählung der Dinge an, die ich „unbedingt“ noch verbessern sollte … „bla … blub … schwafel … laber … <tieflufthol> So, und als krönenden Abschluss erwarte ich noch einen Forschungsbericht über ein Thema von allgemeinem Interesse. <Zettel in die Hand drück> Mir ist nämlich zu Ohren gekommen, dass Du vor allem beim Forschen noch so einiges nachzuholen hast. So, das war´s! Wegtreten!“

Laut vor mich hin grummelnd tappte ich aus der Tür und lies Brieseltrim mit seinem Aktenhaufen und Karteikarten allein. Als Kloiren Eisenhelm gleich darauf in meinem Blickfeld immer größer wurde, sah ich ihm schon den Angstschweiß auf der Stirn stehen. War ja klar, dass der alte Knauserkopp gleich wieder mit Jammern und Zetern anfängt, wenn ich ihn nach meinem Sold frage.

„Du machst das Struv noch völlig pleite! <stöhn> Weißt du eigentlich, wie verdammt teuer dieses Antimagieschild damals war?? Und das Geschäft mit den Spendendosen läuft auch so schlecht wie noch nie. <jammer>“

Meinen Antrag auf Fördermittel für arme, verheiratete Trves mit gefährlichem Forschungsauftrag lehnte er glatt ab! Dieser Unmensch!! Hmpf! Sollte mir wirklich überlegen, ob sich der Dienst bei dieser miesen Bezahlung noch lohnt.

Apropos Forschungsauftrag … War da nicht etwas? Mit zittrigen Händen durchsuchte ich alle Taschen, Pakete, Rucksäcke und Beutel nach dem Zettel, den mir Brieseltrim gerade überreicht hatte, und fand ihn schließlich auch unter all dem Müll, der sich mittlerweile wieder angesammelt hatte.

Mehrmals den Zettel lesend und trotzdem nicht begreifend, dass ich tatsächlich dieses Thema hatte, warf ich den Zettel wütend zusammengeknüllt in die Ecke. ‚Selbst ein Bericht über die Wüste wäre besser gewesen als DAS‘, dachte ich mir. Nachdem ich jedem, der mir über den Weg lief, laut schluchzend den (nun etwas zerknautschten) Wisch unter die Nase hielt und nur lauter mitleidige Blicke erntete, reichte es mir wirklich. Irgendjemand da oben musste wirklich etwas gegen mich haben.

„Sehenswertes in Tarko Reub“ – Was gab es denn da Sehenswertes? Ich kam ins Grübeln. Hatte es nicht zu meiner Rekrutenzeit, an die ich mich heute kaum mehr erinnern kann, viel Wirbel um böse Magier, göttlichen Zorn und auch um dieses Tarko Reub gegeben? Diese Stadt, Tarko Reub, schien seitdem mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten und kaum jemand, außer vielleicht ein paar langsam in die Jahre kommende und in nostalgischen Erinnerungen schwelgende Veteranen oder junge Abenteurer auf der Suche nach mehr Stärke finden noch Interesse für sie.

Vielleicht wird es ja doch noch ein wenig spannender als nur Sand, Sand und nochmals Sand in der Wüste, denn man kann nie wissen, was eine fast vergessene Stadt doch für Geheimnisse birgt. Ich raffte schnell meine sieben Sachen (mehr oder weniger) zusammen, wünschte der Torwache noch viel Spaß beim „Zauberer-aus-dem-Struv-werf-Spiel“ und machte mich auf den Weg zum Port Vainer Hafen.

Die Anreise

Um nicht ganz den Überblick zu verlieren und um gleich mal den Bericht von Kampfelf Belgariad auf seine Praxistauglichkeit zu testen, stellte ich mich am Hafen von Port Vain neben die zahllosen Reisenden (die mich alle etwas verwundert anstarrten) und studierte den Fahrplan. Aha, nach Aurora, die Insel auf der sich die gesuchte Stadt befand, fuhr nur das Piratenschiff. Nach langer Zeit also mal wieder eine Fahrt unter der Totenkopfflagge, die mir aber auch diesmal nichts Neues außer dem tausendsten gesichteten Seeungeheuer bescherte.

Wohlbehalten im kleinen Hafen von Aurora angekommen, fiel mir sogleich das Gebäude gegenüber der Anlegestelle auf. Das Gegröle und die Musik klangen nach einer feuchtfröhlichen Stimmung und das über der Holztür leicht hin- und herschwankende Schild ließ mich in froher Erwartung und mit trockener Kehle schlucken. Auch wenn mir dabei kurz andere unschöne Erinnerungen ins Gedächtnis kamen, war sie doch eine willkommene Begrüßung, diese Kneipe „Zum fröhlichen Seebären“. :)

Nachdem ich die anwesenden Piraten davon überzeugt hatte, dass Trves auch die besseren „Kampftrinker“ sind und ich auch die Kellnerin etwas näher kennengelernt hatte, versuchte ich leicht wankend, den Weg in die erste Etage des Hauses zu den Gästezimmern zu finden. Leider erwischte ich wohl doch die falsche Tür und bemerkte hier einen recht alt aussehenden Seebär. Dieser brabbelte aber nur etwas von seinem alten Feind Käptn Rotbart und dessen Tod. Wobei er sich über den Tod doch nicht ganz so sicher war und ich den Eindruck hatte, als wollte er mir Arbeit aufbürden. Aber ich war ja wegen viel wichtigerer Dinge hier, bestellte ihm unten beim Wirt noch ´nen Humpen Bier und machte mich weiter auf den Weg ins Landesinnere.

Der Weg hinauf nach Norden an den Klippen entlang war zwar nicht ganz einfach zu meistern und wurde anscheinend auch nicht mehr oft genutzt, aber er bot eine wirklich schöne Aussicht auf den Hafen und das im Sonnenlicht blinkende und glitzernde Meer. Kurz nachdem ich die ersten Ausläufer eines Eichen- und Buchenwaldes passiert hatte und in dem angenehm kühlen Schatten wanderte, sah ich einen Trödelhändler am Wegesrand stehen. Dieser seltsam heruntergekommen erscheinende Typ versteht sich auf eine Art „Verschrottung“ und kann einen wirklich von Dingen befreien, die man scheinbar auf keine andere Weise wieder loswird.

Etwas später in einer etwas unübersichtlichen Ecke des Waldes machte ich die erste Bekanntschaft mit einem Drachen, einem fliegendem Teppich (Huch! War ich etwa doch in der Wüste?) und mit einer gar zauberhaften Theaterbühne. Vielleicht kann man ja neugierige Küken mit dieser Entdeckung glücklich machen?

Bald darauf sah ich den ersten Hinweis auf mein Wegesziel auf einem Wegweiser an einer Weggabelung und beschleunigte meine Schritte in die angegebene Richtung, verließ den Wald wieder und … stand in einer Sackgasse. Nur ein seltsames „Lebewesen“ namens Großmaul stand vor mir und glotzte mich an, als komme hier normalerweise niemand (mehr?) vorbei. Gesprächig war das Wesen wider Erwarten nicht gerade, aber sein Maul konnte es wirklich seeehr weit aufreißen. Und somit war ich endlich …

In Tarko Reub

Auf den ersten Blick sieht die Stadt recht klein und beschaulich aus. Zwar ist sie kein Vergleich zu Moloukin oder Port Vain, ist aber doch groß genug, um diesen Titel tragen zu dürfen. Sofort nach den ersten Schritten durch die Straßen und Gassen rannten mich recht rüpelhafte und übel gelaunte Schergen fast über den Haufen und raubten mir durch ihr hektisches Hin- und Hergelaufe den letzten Nerv, sodass ich mich dazu gezwungen sah, mir ein wenig mehr Respekt und Ruhe zu verschaffen. Maßlos enttäuscht von diesen Schergen, die selbst noch etwas von den Goblins bei Port Vain lernen könnten, schaute ich beim hiesigen Schmied vorbei. Aber die erhofften Waffen und Rüstungen suchte ich vergebens. Zähneknirschend und sich ängstlich umschauend erzählte er mir, dass der dunkle Zauberer Mahldor diese Stadt tyrannisiert und ihm verboten wurde, seine Eisenwaren an Fremde zu verkaufen. Auf das Vergleichen von Waffen, was er mir dennoch freundlich anbot, verzichtete ich dankend, da ich mir sicher war, dass ich dies selbst besser erledigen konnte. Zumindest hatte ich damit einen ersten Hinweis darauf, dass es hier ein Problem geben könnte. Und wer war wieder dafür verantwortlich? Ein Zauberer, klar!

Ich schlenderte erstmal weiter durch die stillen Gassen der Stadt und bemerkte so nebenbei die Vorlieben der Bewohner für putzige GartenZwerge, als mir plötzlich der Duft von frischen Brötchen und Kaffee in die Nase stieg. Augenblicklich war ich nicht mehr Herr der Lage und ich bewegte mich gezwungenermaßen zielstrebig auf die Bäckerei zu. Nach ein paar Brötchen, lecker Brezeln, Erdbeerkuchen, einer Kalorienbombe, die ihren Namen wirklich verdient hat, und einer ganzen Menge suchtfördernden Kaffees gelang es mir dann doch, wieder nach draußen zu gehen.

Je weiter ich nun in südlicher Richtung durch die Straßen ging, desto verlassener schienen mir die Häuser zu sein. Manche waren deutlich erkennbar schon lange dem allmählichen Verfall preisgegeben. Eine völlige und scheinbar nicht durchdringbare Finsternis in der südwestlichen Ecke der Stadt schien die Ursache des dramatischen Sinkens der Grundstückspreise in dieser Gegend zu sein. Wie ich später erfuhr, war dies das dunkle Haus des Zauberers Mahldor, welches er nach der langen Zeit seiner Abwesenheit innerhalb der Mauern der neu errichteten Stadt Tarko Reub wiederfand. Natürlich war er über seine neuen Nachbarn nicht sehr erfreut, für die sich zusätzlich noch sein alter Feind, der weiße Zauberer Lifen, einsetzte, und so errichtete er mithilfe seiner dunklen Magie eine Schreckensherrschaft über die Stadt und schickte seine Schergen aus, um willkürlich einen hohen Tribut von der Bevölkerung zu fordern.

Mina Reub, die Frau des Stadtgründers Tarko, erzählte mir später noch mehr über diese Untaten. Ihr Mann wurde von Mahldor in eine Statue verwandelt und seines Herzens beraubt. Wenn es aber gelänge, Tarko wieder zum Leben zu erwecken, würde die Stadt vielleicht von ihrem Fluch befreit werden können. Mit dem Versprechen, ihr zu helfen, verabschiedete ich mich und ging weiter in Richtung des nördlichen Stadttores die Hauptstraße entlang. Schon von weitem konnte ich die Stände und das rege Treiben des Marktplatzes ausmachen, auf dem übrigens manche Leute schon lohnenswerte Geschäfte abschließen konnten. Der Anblick des zu Stein erstarrten Tarko Reub bekräftigte mich hier nur noch mehr, diesem Schicksal ein Ende zu bereiten und der Stadt ihren Frieden wiederzubringen.

Den Dorfkrug, die Post und den Krämerladen diesmal unbeachtet hinter mir lassend marschierte ich zielstrebig weiter zum zweiten Stadttor und stand kurz darauf vor den Stadtmauern.

Leider sind meine Aufzeichnungen über die darauf folgenden Ereignisse und Örtlichkeiten nicht mehr allzu detailliert, da ich wohl zu sehr mit dem Geschehen selbst beschäftigt war. Man sollte also selbst ein waches Auge auf alle Dinge haben und stets neugierig sein. Auch wenn mir, Jof sei Dank, keine zu blutrünstigen Monsterhorden begegnet sind, als dass man sich vorher von seinen Liebsten verabschieden müsste.

Lifen, den hellen und mir freundlich gesonnenen Zauberer, fand ich nach kurzer Wegstrecke in Richtung Norden in seinem Haus. Auch er spielt eine wichtige Rolle in den Geschehnissen, und man sollte ihn dazu auch näher ausfragen.

In der nördlichen Mine, welche schon vor längerer Zeit aufgegeben wurde, findet man außer einer eigenartigen Monsterrasse namens Grubenungeheuer nichts Nennenswertes. Aber vielleicht lohnt sich ein späterer Besuch, wenn man auf der Suche nach seltenen Metallen ist.

In der weiter südlich gelegenen Mine fand ich dann auch schuftende Bergarbeiter vor, die auch nur von schlechten Zeiten berichten konnten. Zwerge und Riesen wollten nicht mehr hier arbeiten – wahrscheinlich gab es keine Edelmetalle mehr – und so mussten Menschen und Steinbeißer als „Arbeitstiere“ herhalten. Letztere sind allerdings doch nicht so zähmbar wie erhofft. Ich kam gerade zur rechten Zeit, um einem herumwütenden Exemplar der Sorte „großer schwarzer Steinbeißer“ zu erklären, was ich mit seinen Brüdern in der Höhle im Gebirge auf dem Festland immer mache.

Nachdem ich auch dem Obersteiger bei seinem Problem weitergeholfen hatte, zeigte sich dieser erkenntlich und zeigte mir den Weg in eine Welt des Chaos und der Dämonen.

Noch heute bin ich von dem vergifteten Wurfstern fasziniert, den ich im Flammenmeer fand. Aber als Trves sollte man doch darauf bedacht sein, dem Feinde im offenen Kampf zu begegnen und nicht solch hinterhältige und tückische Waffen zu verwenden – jedenfalls meistens. :) Aber auch der Assassine, der sich hier finden lässt, ist ein wahrer Meister auf seinem Gebiet! Seine Kunst des Tötens ist selbst für Gevatter TOD zu schnell.

Wenn man nach Stunden und Tagen der Anstrengung überglücklich die Herausforderung gemeistert haben sollte, man selbst vom Volk gefeiert wird und alle wieder friedlich vereint sind, sollte man nicht vergessen, den seltsamen Altar bei der Hohen Zinne nochmals zu besuchen. Diese Belohnung ist wirklich ein MUSS für jeden Helden (und auch Heldinnen) und eignet sich vielleicht auch beim Ruf zum Sammeln als Führer einer kämpfenden Truppe ganz gut. ;-)

Auf meiner Reise zurück in Richtung Hafen und Heimat schwenkte ich noch kurz in Richtung des Piratendorfes ein, machte mich bei den einheimischen Fischern beliebt und entdeckte auch noch eine interessante Höhle in den Klippen. Wer sich für alte Höhlenmalereien (es gab sie also doch, die Urtrolle!) oder Geisterpiraten interessiert, sollte dort auch einmal vorbeischauen. Zauberern auf Gildenquestsuche, Zaubertranksuchenden oder einfach hilfsbereiten Leuten, die den Seebär glücklich machen wollen, lege ich dies sehr ans Herz.

Abschließend muss ich sagen, dass die Stadt Tarko Reub selbst eigentlich kaum etwas Sehenswertes bietet. Aber zusammen mit ihrer Umgebung und den kleinen und großen Aufgaben, die es hier zu lösen gilt, halte ich es doch für eine lohnenswerte Reise und für eine Gegend, die man sich zumindest einmal angeschaut haben sollte. Selbst für Plaketten-Fans gibt es hier etwas zu holen. :)

Shade

Offizier des Koru-Tschakar-Struv