Zu lange schon habe ich es verheimlicht, lange ist es allen, sogar meinen engsten Freunden, verborgen geblieben, aber jetzt endlich habe ich den Mut gefunden, mein Geheimnis zu lüften und Dir, Fremder, wer immer Du auch sein mögest, der diese Zeilen liest, zu erzählen von meiner Herkunft und meiner Heimat:
Ich komme aus einem weit entfernten Dorf hoch in den Mammutbäumen des ältesten Waldes des Morgengrauens, das die wenigsten Abenteurer dieser Welt schon besucht haben, dem Dorf der Skowe.
Die Skowe, denn so nennt sich mein Volk, ist ein Volk der Fröhlichkeit und der Gutherzigkeit. Diejenigen, die uns kennen, betrachten uns häufig als klein (außer natürlich sie entstammen den uns verwandten Völkern der Zwerge oder der Hobbits) und ich muss zugeben, dass diese Bezeichnung wohl auf uns Skowe zutreffen mag, klein aber nur an Körpergröße und an der Größe unseres Volkes, groß jedoch in unseren Herzen.

Nun, ich will erzählen von unserer Lebensweise und unserem Dorf, doch um uns besuchen zu kommen, wisse zunächst folgendes, Fremder: Unser Dorf ist zu erreichen nur auf zwei Wegen, die auf den ersten Blick schwierig erscheinen mögen, doch ein Besuch bei uns sollte Dir diese Mühen allemal wert sein.

Der erste Weg beginnt südöstlich des Karawanenplatzes, den die Menschen errichtet haben, um das ferne Land im Westen an ihre Welt anzugliedern. Auf den ersten Blick magst Du, Fremder, keinen Weg erkennen mögen, doch ein scharfer Beobachter wird rasch die Hinweise des Bodens zu lesen imstande sein, die ihm den Weg weisen. Sie werden Dich zu riesigen Bäumen führen, die wir zu unserer Heimat erkoren haben, und mit ein wenig Mühe wirst Du auch sicher einen von ihnen erklimmen können, doch hüte Dich vor den Flughunden, die in ihrem Geäst auf unbedarfte Kletterer lauern, denn sie sind bösartig und gewillt, Dich in Dein Verderben zu stürzen. Hast Du sie jedoch erfolgreich passiert, wirst Du bald unser Dorf erblicken können.

Nun, diesen Weg nennst Du mühsam, Fremder, der Du diese Zeilen bis hierher gelesen hast? Dann lass mich berichten von der zweiten Möglichkeit, unser Dorf zu entdecken.

Es heißt, dass unser Schöpfer, Yantro wurde er wohl einst genannt, sich ein Haus schuf im Herzen des Morgengrauens, genannt das Haus der Farben, und dass in ihm einige Weise aus dem Volk der Menschen leben. Sie sind bereit, Dich zu entlohnen, wenn Du ihre Rätsel zu lösen imstande sein solltest, und mit all ihren Gaben sollte es Dir möglich sein, den Weg weiter zu gehen, in den Raum des Todes hinein und wenn Du dort die richtige Beschwörung wählst, so wird sich ein Ausgang für Dich öffnen, der Dich in den Felsendom führen wird. Jetzt steht Dir eine Kletterei bevor, die der Ersteigung der Mammutbäume sicher in Nichts nachsteht, doch am Ende steht als Belohnung wiederum ein Besuch unseres Dorfes.

Nun, egal, welchen Weg Du gewählt hast, Dein Herz wird sicher höher schlagen beim Anblick unserer kleinen Siedlung in den Wipfeln der riesigen Bäume und wenn Dir dann noch einige kleine Gestalten mit spitzen Ohren und dichtem Fell begegnen, dann kannst Du sicher sein, Dein Ziel erreicht zu haben.

Über kurz oder lang wirst Du nun sicher auch den beiden wichtigsten Persönlichkeiten begegnen, die die Geschicke unseres Dorfes lenken, unserem Häuptling und unserem Schamanen.

Mag es auf den ersten Blick so erscheinen, als ob der Erstere derjenige sei, der über Wohl und Wehe unseres kleinen Volkes zu entscheiden hat, so sei versichert, dass die eigentliche Macht und derjenige, der die Fäden im Hintergrund zu ziehen versteht, sicher unser Schamane ist.

Er ist Träger des sagenumwobenen Ringes unseres Volkes, der ihn in die Lage versetzen soll, jeden seiner Widersacher jeglicher übersinnlicher Kräfte zu berauben, um sich selbst zu stärken, und es wird oft erzählt, dass er selbst denjenigen, der ihn einst besiegen wird, noch im Tode verfolgen wird mit seinem Geist, um ihn mit seiner Blutrache letztendlich doch noch zu bestrafen für seinen Frevel.

Schaudert es Dich von dieser düsteren Gestalt und möchtest Du auf andere, weniger schauderhafte Gedanken kommen, so statte einmal unserem alten Weisen einen Besuch ab, der fast so alt wie die mächtigsten Mammutbäume zu sein scheint und lasse Dir berichten von vergangenen Zeiten und längst vergessenen Legenden, von denen er einen unerschöpflichen Vorrat zu besitzen scheint. Leider wirkt er in letzter Zeit auch etwas zerstreut und so vermisst er schon geraume Zeit seinen wegen der Hitze dringend benötigten Stabfächer und ist imstande und bereit, Dich reich zu belohnen, solltest Du ihm diesen zurückbringen können.

Eine Warnung noch für Dich, Fremder, auch wenn ich hoffe, dass sie unnötig sein wird und Dein Geist rein und frei von bösen Gedanken, solltest Du unser Dorf erreichen: Die Angehörigen unseres Volkes mögen nicht besonders furchteinflößend wirken auf ein ungeübtes Auge, doch nimm Dich in Acht, der Schein trügt! Unser Stamm bringt durchaus zähe und entschlossene Krieger hervor, wenn es darum geht, unser Dorf und unser ungestörtes und friedliches Leben im Schatten der mächtigen Baumwipfel zu verteidigen, also hüte Dich vor unbedachten Taten und allzu großer Habgier.

Doch kommst Du in Frieden, so werden wir Dich sicher mit offenen Armen empfangen und auf das Herzlichste willkommen heißen und sicher wirst Du zu kosten bekommen von unserem herrlichen Nektar, der so unvergleichlich süß und wohlschmeckend ist, dass jeder, der bisher in den Genuss gekommen ist, ihn zu kosten, ihm verfallen zu sein scheint und immer wieder aufs Neue zurückkehrt, sich an ihm gütlich zu tun.

Ich hoffe, Fremder, Du wirst das Wissen, das ich Dir in diesen Zeilen anvertraut habe, nicht missbrauchen wollen. Komm uns besuchen in unserer kleinen Welt auf dem Weg zur Sonne und den Sternen, doch komm in guter Absicht und bringe nicht das Schwert und den Tod in unsere friedliebende Welt. Unsere ewige Freundschaft wird Dir gewiss sein.

Kiu, der heimliche Skowe unter Euch

Dieses Dorf ist leider in den Wirren der Geschichte verloren gegangen und nie mehr gesehen worden! (Anm. d. R.)