Bereits vor langer Zeit hörte ich das erste Mal von Water Luh, dem schrecklichen Drachen, der tief unten in der Schreckensspitze sein Unwesen treiben sollte. Wie jeder weiß, ist der Drache der natürliche Feind eines jeden Zwerges  und so machte ich mich auf den Weg, das Untier seinem gerechten Schicksal zuzuführen. Tief hinab stieg ich durch das verwinkelte Labyrinth ins Dunkel der Schreckensspitze, bis ich schließlich die Wasserebene erreichte. Ekliges Blubberzeugs versuchte mich aufzuhalten, doch meine Axt belehrte es eines Besseren. Und dann sah ich den Drachen! Doch welche Enttäuschung erlebte ich! Dieser kleine Wasserdrache sollte der fürchterliche Water Luh sein? Eine kurze Befragung anderer glorreicher Zwergenhelden brachte dann aber die Erkenntnis, dass es sich hierbei nicht wie erwartet um Water Luh handelte, sondern um einen jungen Drachen aus seiner Brut. Ha, dieser Mickerling sollte mich kennenlernen! Ich überprüfte also meine Ausrüstung, zückte die Axt und stürzte mich auf ihn. Bereits kurze Zeit später wankte ich halbtot, schwer vergiftet und demoralisiert aus dem Raum. Der Wasserdrache selbst schien mir in dieser Zeit nicht sehr viel schwächer geworden zu sein. Wenn die Brut Water Luhs schon so austeilen kann, was für ein Ungetüm musste dann der Vater selbst sein? Meine Neugier war geweckt, ich ließ meine Wunden und die Vergiftung heilen und zeigte dem jungen Drachen, was eine perfekte Kampftechnik ausmachen kann. Schließlich fiel er unter den schweren Hieben meiner Axt und ich konnte die Höhlen weiter erforschen.

Bereits jetzt spürte ich eine unheimliche Macht in der Luft liegen, eine Aura des Todes, getränkt mit reiner Magie, ging von einem großen Höhleneingang im Norden aus. Ich wagte einen vorsichtigen Blick in die Höhle, und dieses Mal gab es keinen Zweifel: Dort lag Water Luh vor dem Eingang zu seinem Hort. Er schien mich nicht zu bemerken, die Augen der fünf gewaltigen Köpfe waren geschlossen. Doch war da nicht ein Blinzeln? Mutig betrat ich nun die Höhle, um dem Drachen entgegenzutreten. Er schien nicht aggressiv zu sein, sondern betrachtete mich eher mit einer Art belustigter Neugier. Nun gut, mir macht es nichts aus, wenn man mich unterschätzt, das lässt sich oft in einen Vorteil ummünzen.

Gerade wollte ich den Drachen genauer betrachten, als ein Zauberer in die Höhle gesprungen kam und ohne lange zu fackeln seine Magie gegen Water Luh richtete. Ich war sehr erstaunt, als ich das magische Leuchten um den Körper Water Luhs entdeckte, es schien den Angriff komplett zu schlucken! Doch der Zauberer war wohl in Trance gefallen (Zauberer machen ja die merkwürdigsten Dinge) und bemerkte nichts von dem fatalen Vorgang. Und dann richtete sich Water Luh auf und griff an. Nichts glich dem Feuerwerk, das sich jetzt vor meinen Augen abspielte. Mit vier seiner fünf Köpfe spie er Säure, Wasser, Blitze und Gift nach dem Zauberer, mit dem fünften richtete er einen ohrenbetäubenden Schrei gegen sein Opfer. Zur Ehrenrettung des armen Zauberers muss man sagen, dass er sich seiner Haut zu wehren wusste, er überlebte zwei Angriffe dieser Art! Was er allerdings nicht überlebte, war der darauf folgende Schwanzschlag … so spielt das Leben.
Doch der tapfere (?) Zauberer hatte noch nicht genug. Er kam wieder und kämpfte mit noch gesteigerter Wut weiter. Water Luh hingegen hatte offensichtlich genug. Er sprach nur ein Wort und der Zauberer sank tot zu Boden. Völlig geschockt konnte ich nur tatenlos zusehen, wie der gewaltige Drache die Ausrüstung seines Opfers in seinen Hort schob. Wie sollte man dieses Ungetüm besiegen, das mit nur einem Wort töten konnte?

Daraufhin beschloss ich, erst einmal die Umgebung genauer zu untersuchen, vielleicht ließen sich ja Hinweise oder Warnungen finden. Und tatsächlich fand ich, wonach ich suchte, es gab einen Schutz vor dem Todeszauber des Drachen! Natürlich schützte ich mich sofort auf die entsprechende Art und Weise und beschloss dann, dass es jetzt an der Zeit sei, mein Glück zu versuchen. Ich beschloss, erst einmal einen Probeangriff zu versuchen, ich sammelte mich kurz, stürzte dann in den Raum und verpasste ihm eine Salve, die sich gewaschen hatte. Mein Kampftritt und mein Kopfstoß erwischten ihn wohl auf dem falschen Fuß, das hat weh getan. Doch wie groß war meine Überraschung, als ich feststellen musste, dass die antimagische Aura so stark war, dass der Schlag meiner Ätzaxt komplett dadurch abgefangen wurde. Nunja, ich hatte ja noch mehr Aexte dabei, unter anderem eine komplett nicht magische, die natürlich sofort zum Einsatz kam. Ich stürmte also wieder in die Höhle, bereit den Kampf fortzuführen, aber Water Luh sprach ein Wort und ich erstarrte in meiner Bewegung. Ich versuchte, die Paralyse zu überwinden, doch stattdessen verschlimmerte ich sie nur noch, mein Ende schien nahe. Erneut sprach Water Luh ein Wort und Dunkelheit senkte sich über mich. Die nächste Serie von Angriffen trieb mich aus dem Raum, wo ich schwer atmend – aber lebendig – ausruhte.

Nachdem ich meine Blindheit geheilt hatte, fielen mir die anderen Hinweise ein, die ich bei meiner vorherigen Untersuchung der Umgebung gefunden hatte. Allmählich begann das ganze einen Sinn zu ergeben. Ich wappnete mich also gegen Blindheit, Paralyse und sogar die Angst und bereitete mich auf eine Fortsetzung des Kampfes vor. Ich stürmte in den Raum, fügte Water Luh schwere Wunden zu und schleppte mich dann aus genauso vielen Wunden blutend zur nächsten Heilstelle. Ich hatte vor, das solange zu wiederholen, bis der Drache tot zu meinen Füßen lag. Aber plötzlich änderte sich das Bild. Erneut sprach der Drache ein Wort und seine Antimagieaura brach zusammen, stattdessen wurde seine Haut zu unverwundbarem Stahl! Was sollte ich jetzt tun, da alle meine Angriffe wirkungslos geworden waren? Da fiel mir der Zauberer von vorhin wieder ein. Auch wenn es mich eine unzwergische Überwindung kostete, einen Zauberer um Hilfe zu bitten, ich tat es. Allerdings suchte ich mir ein etwas fähigeres Exemplar dieser Art aus, sowas soll es ja auch geben. Dieser Zauberer verletzte Water Luh mit Hilfe seiner Magie so schwer, dass er wieder seine Anti-Magie-Aura zum Einsatz brachte. Offensichtlich hatte er nicht die Kraft, beides gleichzeitig aufrecht zu erhalten. So kämpften wir also abwechselnd gegen den übermächtigen Feind, bis er schließlich auf der Schwelle des Todes stand. Ein letzter ungläubiger Blick aus den tiefen Augen des Drachen traf mich, als mein Todesstoß den letzten Funken Leben erlöschen ließ. Erschöpft, aber stolz schauten wir auf den besiegten Gegner, der Weg zum Hort war nun frei und wir labten uns am Funkeln der Schätze.

Dies alles ist nun lange her, mit dem Alter wuchs auch das Wissen über die anderen Gilden und ihre Fähigkeiten. Ich lernte eine Methode kennen, die Water Luh völlig gefahrlos seinem Ende zuführte, ohne dass er auch nur den Hauch einer Chance hätte. Doch kein wahrer Kämpfer würde so eine ehrlose Methode anwenden, deswegen werde ich sie auch nicht erläutern. Ich hoffe, meine Ausführungen werden mit Aufmerksamkeit von jungen Kämpfern gelesen, auf dass sie nicht die Fehler des oben genannten Zauberers begehen.

Tuffi