Der Monster und Ungeheuer im Morgengrauen gibt es viele. Große und kleine, hinterhältige und gemeine, starke und schwache, furchteinflößende und lächerliche Monster habe ich in meinem Abenteurer- und Kämpferdasein schon gesehen und den meisten von ihnen habe ich gezeigt, wozu ein fähiger Kämpfer in der Lage ist. Doch gibt es auch Monster, die nicht so dumm sind und sich allein einem Kämpfer stellen, sie treten einem in ein oder mehreren Gruppen gegenüber, sodass sie an Stärke und Effektivität gewinnen. Sie sind in der Lage, sich derart zu koordinieren, dass es einem alleine kaum möglich ist, sie zu besiegen.

Nun, das war mal eine Herausforderung für mich – nicht, dass mir ein gefährlicher Gegner zu wenig wäre, nein, aber gegen eine qualitative und quantitative Übermacht anzutreten, das war mal etwas Besonderes!

Ich begab mich also auf die Suche nach eben dieser Herausforderung und wurde auch fündig. Nicht weit entfernt von Zwackelmanns Schloss in der Nähe von Mirils Turm, zogen mich zwölf habgierige und sehr gefährlich aussehende Räuber in ihr Gebüsch und wollten all mein Geld!

Ich wollte zunächst den Rückzug antreten, doch weit gefehlt: Die Räuber umstellten mich derart, dass an eine Flucht mit Geld in den Taschen nicht zu denken war.

Obwohl bis an die Zähne bewaffnet, griffen sie mich nicht gleich an, sondern ließen mir die Wahl zwischen Geld oder Geld und Leben. Da ich weder das eine noch das andere verlieren wollte, handelte ich nicht überstürzt, sondern nahm die Gestalten etwas genauer unter die Lupe.

Da waren zunächst:

Kieseltrim Grieselhuck, der Räuber (Zwerg, Kämpfer).
„Casty“ Eladriel, die Räuberin (Elf, Zauberer).
Sovanthas von Tol Eldar, der Räuber (Mensch, Paladin).
Lynch „Justice“ Hexentöter, der Räuber (Zwerg, Abenteurer).
Rhonja ZZerenzza, die Räuberin (Dunkelelf, Chaot).
Sai Lenz Eisengießersohn, der Räuber (Zwerg, Tanjian).

Als ich ein Stück tiefer in den Wald ging, erwarteten mich noch weitere sechs Räuber, die als Ersatz für die ersten sechs zu fungieren schienen, doch sahen sie nicht weniger gefährlich aus.

Sie hießen:

Elholdrion, der Räuber (Elf, Kämpfer).
Bendaiga Egid, die Räuberin (Elf, Druide).
Claus Thaler, der Räuber (Hobbit, Bierschüttler).
Kyrio Eleison, der Räuber (Mensch, Kleriker).
Hngrmpf, der Räuber (Goblin, Todesritter).
Jean-Claude „Todesfaust“ Pelzfuß, der Räuber (Hobbit, Karateka).

Ich erkannte ihren enormen Vorteil sofort: Jeder von ihnen war einer anderen Gilde angehörig und darüber hinaus waren einige von ihnen in einer mir völlig fremden Gilde, sodass ich ihre Fähigkeiten nur erahnen konnte.

Ich begab mich wieder zu den ersten sechs Räubern und entschloss mich dennoch zu einem Erstschlag, nicht jedoch ohne vorher mein Geld sicher abgelegt zu haben, sodass es keinem Räuber in die Hände fiel. Da aber alle Räuber solch einen Angriff erwarteten, gaben sie ihre Ausrüstung blitzschnell dem Zauberer, der den Schutz der Rüstungen magisch verstärkte und der sie dann ebenso schnell wieder zurückgab. Indes schärfte ich meine Axt und stellte mich auf eine passende Taktik ein, ebenso schaute ich mich nach einem guten Fluchtweg um und wurde entsprechend vorsichtig.

Nun konnte es losgehen!

Ich verfiel in schlangenhafte Bewegungen, fokussierte zuerst den mir am gefährlichsten erscheinenden Gegner – es war der Kämpfer Kieseltrim – und legte los. Gleich zu Beginn beschleunigte ich meine Attacken und nahm ihn mit meinen Kampfkünsten, denen er nicht viel entgegenzusetzen hatte, in die Mangel. Doch es half alles nichts, es waren einfach zu viele, die auf mich einschlugen, sodass ich nach kurzer Zeit die Flucht ergriff.

Sichtlich ramponiert stand ich nun im Wald und überlegte, wie man diesen Halunken den Garaus machen konnte. Frisch gestärkt und mit neuem Mut stürmte ich wieder hinein. Doch dort erwartete man mich schon!

Casty ließ seine Magie spielen, Lynchs Kampfschrei ging mir durch Mark und Bein, Sovanthas holte einen Hornissenschwarm zu Hilfe, Rhonja beschwor einen Dämonen aus einer anderen Welt, Kieseltrim blockte meine Waffe und zu guter Letzt paralysierte Sai mich mit seinem seltsamen Schwert.

Ich kam grade noch dazu, Kieseltrim ein paar Angriffe zu verpassen, da musste ich schon wieder fliehen, sonst wäre ich des Todes gewesen. Völlig außer Atem stand ich nun da und staunte im nachhinein nicht schlecht über diesen nahezu perfekten Teamkampf, der die Räuber zunächst einmal unbesiegbar zu machen schien.

Aber wie stand es mit dem anderen Teil der Räuber? Ob sie genauso gut eingespielt waren? Oder kämpften sie gar noch besser und noch koordinierter? Ich musste es herausfinden!

Nach einiger Zeit wagte ich wieder, das Gebüsch zu betreten. Die Räuber hatten meine Attacken vergessen, so dass sie mich nicht angriffen. Es fiel mir auf, dass Kieseltrim nicht mehr unter den ersten sechs Räubern anwesend war; stattdessen stand nun Elholdrion, ein weiterer Kämpfer, an seiner Stelle.

Ich betrat den hinteren Teil des Gebüschs. Ich entdeckte Kieseltrim wieder, der zwar jetzt etwas unkontrolliert durch die Gegend torkelte, aber nichtsdestotrotz völlig fit war! Er musste sich mitten im Kampf in einer der umliegenden Dorfschänken schnell gestärkt haben.

Ich zögerte ein bisschen, da ich eben schon nur knapp dem Tode entronnen war. Sollte ich es wirklich wagen, sechs Meister ihrer Gilden anzugreifen, von denen ich zwei überhaupt nicht kannte …?
´Wenigstens versuchen muss ich es´ dachte ich mir.

Ich ging zum dritten Angriff über – nicht ohne vorher entsprechend vorsichtiger geworden zu sein, stand ich doch jetzt noch weiter hinten und musste bei meiner Flucht bei den anderen vorbei. Ich fing zu kämpfen an und konzentrierte mich wieder auf Kieseltrim, da ich glaubte, mit ihm jetzt leichteres Spiel zu haben. Doch abermals musste ich mich von der ungeheuren Kampfkraft und Perfektion der Räuber überzeugen lassen.

Nach ein paar Kampfrunden versetzte mich Claus Thaler, der Bierschüttler, in Schüttelstarre. Es dauerte aber einen Moment, bis ich mich aus selbiger befreien konnte und inzwischen hatten die Räuber leichtes Spiel mit mir. Und was für eins …

Kyrio heilte den angeschlagenen Kieseltrim, der wiederum beschleunigte seine Angriffe. Hngrmpf ließ einen Wirbelwind entstehen, der mir empfindlich zusetzte, Bendaiga indes entzog mir ein Teil meiner Lebenskraft. Hobbit Pelzfuß jedoch gab mir mit seinen Karatekünsten den Rest.

Ich machte, dass ich da wegkam, doch musste ich ja noch die Räuber im vorderen Teil des Gebüschs passieren, die mich sogleich angriffen. Ich war jedoch vorbereitet und so entwischte ich Ihnen, nicht jedoch ohne noch einiges an Treffern eingesteckt zu haben.

Schwer keuchend und halb tot lag ich nun auf dem Waldweg und ruhte mich eine ganze Weile aus.
´Diesen Kerlen ist – wenn überhaupt – nur mit mehreren, gut eingespielten Kämpfern beizukommen´, dachte ich mir. Noch besser wäre es natürlich, wenn Mitglieder verschiedener Gilden anwesend sind und sie dann gemeinsam bekämpfen.

Wie dem auch sei – allein hat kaum einer eine Chance.

So machte ich mich auf und suchte nach der nächsten großen Herausforderung.

Ich fragte einen befreundeten Kämpfer, ob er noch wisse, wo es noch solch würdige Gegner gibt. Er sagte, dass er mal gehört hätte, dass es unter Wilhelmsburg eine ganze Armada von Ratten geben würde, die nur darauf warteten, von tolpatschigen Gegnern angegriffen zu werden, um sie dann mit Haut und Haar zu verspeisen. Mir lief es kalt den Rücken runter. Doch gleichzeitig lächelte ich innerlich über ein augenscheinliches Paradoxon: koordiniert kämpfende Ratten?

Nun, wir werden sehen.

Ich machte mich auf den Weg nach Wilhelmsburg.

Ich stieg in das Kellergewölbe von Wilhelmsburg, wo ich auch nach einigem Suchen fündig wurde. Durch eine Steinplatte im Boden kam ich in ein modriges Gewölbe, das eine Art Vorraum darstellte. Sogleich kam eine Ratte an und begutachtete mich. Sie war riesig in ihrer Statur, hatte völlig schwarzes Fell und war grausam anzusehen. Als ich durch einen Gang in den hinteren Raum ging, verschlug es mir die Sprache: Siebzehn riesige Ratten scharrten sich um eine fette, alte Königin in der Mitte und alle starrten mich mit ihren kleinen, roten Augen an. Es stank nach Verwesung und Tod in diesem Loch.

Ich war nahe dran, einfach wieder umzukehren; doch halt, was hätte das für ein Bild abgegeben? Ein fähiger Kämpfer scheitert vor ein paar Ratten? Wenn das ein Zauberer erfahren hätte … Nicht auszudenken!

Ich ging wieder in den Vorraum, um mir einen Plan zurechtzulegen. Die eine Ratte stand dort immer noch. Hmmm…

So dachte ich bei mir: ´Alle Ratten auf einmal sind kaum zu besiegen, doch wenn man sie einzeln dezimiert, müssten sie relativ leicht zu bezwingen sein.´

Ich fing an, die Ratte zu attackieren. Sie konnte sich gut verteidigen, wehrte sie doch rund ein Drittel meiner Angriffe ab. Ich staunte nicht schlecht, verdoppelte dann aber meine Anstrengungen und so sah ich ihr Ende alsbald nahe. Doch dann schleppte sie sich mit letzter Kraft in den hinteren Raum, worauf kurz danach eine andere Ratte herauskam.
´Nun gut´, dachte ich mir, ´eine ist so gut wie die andere.´ Als dann auch der zweiten die Kräfte schwanden, wiederholte sich das Spielchen und ich wurde zusehends sauer. Wie konnten mich solch „dumme“ Ratten nur so zum Narren halten?

Gleich darauf kam die nächste herein, der ich es dann aber zeigte. Mit schnellen Attacken und Kampfkombinationen machte ich ihr schwer zu schaffen. Als ich sah, dass es gar nicht gut um sie stand, setzte ich einen mörderischen Todesstoß an und gab ihr somit den Rest.

Nachfolgend kamen noch drei Ratten in den Vorraum, die ich zwar herunterkämpfte, die sich aber immer kurz vor ihrem Tod durch den Gang in Sicherheit brachten.

So konnte man sie also nur schwer besiegen, eine neue Taktik musste her. Wenn ich in den hinteren Raum gehen würde, bekäme ich zwar vermutlich viel mehr Schaden ab; doch wenn ich mich auf eine einzelne Ratte konzentrieren würde, hätte ich vielleicht eine Chance, sie wirksam zu bekämpfen. Gedacht, getan.
Bei nunmehr sechzehn Ratten und einer Königin kann man nie vorsichtig genug sein, außerdem sollte man sich seine Fluchtrichtung sorgsam aussuchen. Ich stürmte kampfbereit hinein, doch was für eine Begrüßung erwartete mich dort! Die Ratten schlugen derart auf mich ein, so dass ich mich gerade noch auf eine der Viecher konzentrieren konnte. Im nächsten Moment stand ich schon wieder draußen.

Frisch gestärkt und nun auf eine viel defensivere Taktik vorbereitet sprang ich wieder hinein. Ich schaffte es, eine der Ratten einigermaßen herunterzukämpfen. Doch die Königin ließ es nicht allzu weit kommen. Sie heilte ihre Brut, so dass ich beim nächsten Mal wieder von neuem anfangen konnte. Dann aber gelang es mir tatsächlich, eine der Ratten zu erledigen. Doch was musste ich für eine Überraschung erleben! Die Königin erweckte die schon Totgeglaubte zu einer Zombi-Ratte, die nun fortan mitkämpfte. Allerdings war sie viel stärker als eine normale.

Ich ließ es für diesmal gut sein. Ich hatte zwei Ratten erledigt und ihre Taktik durchschaut. Das war doch schon mal was.

So denn, ihr mutigen Trves. Seid vorsichtig bei vielen Gegnern, aber seid besonders wachsam bei denen, die sich gut zu koordinieren wissen! Aber lasst euch nicht entmutigen, man kann auch viel von ihnen lernen.

Takal´Mor Gnome, Sohn des Karak