Ich saß unfriedlich unter meinem Stammtisch in der Friedhofskneipe, genoss die Aussicht und dankte Zephyr wohl zum tausendsten Mal für die Inspiration. Gerade als ich den blutjungen Anfängerinnen an meinem Tisch eine kostenlose Broschüre der Zeuginnen Saphinas zustecken wollte, wurde plötzlich die Tür aufgerissen. Opa Brieseltrim stürmte mit hochroter Birne herein und brüllte sofort los: „WO STECKT DIESER NICHTSNUTZIGE TAUGENICHTS LUG?“ Da mein Erscheinen erwünscht war, kam ich unter dem Tisch hervor, schüttelte die keifenden Schnitten ab und machte Meldung: „Hi Chef!“ Die ungesunde Farbe in Briesels Gesicht wechselte zu rotblau. „DU HIRNLOSE KREATUR KANNST JA NICHT EINMAL RICHTIG GRÜSSEN! DU BIST DIE SCHANDE DES STRUV! DU WÄRST SCHON LÄNGST GEFLOGEN, HÄTTE ICH TÖTER NICHT VERSPROCHEN, AUS DIR EINEN KÄMPFER ZU MACHEN!“, brüllte der Kommandant. „DU SCHREIBST JETZT ENDLICH DEINEN PFLICHTBERICHT!“

Ich dachte kurz nach, nickte Briesel grinsend zu und wandte mich zwei dubiosen Gestalten in dunklen Roben an der Skelettbar zu, die bald darauf die Kneipe verließen.

Chefchen wurde kreideweiß: „Undwaszumjofnochmalsolltedasjetzt?“ „Hm, ich sollte doch Schilde vergleichen?“, antwortete ich, „Und da sind sie ja auch schon.“ Die beiden Robenträger schwankten unter der Last zahlreicher Schilde wieder herein. „Hier sind die gewünschten Teile, Lug.“ Ich grinste die beiden mit nadelspitzen Eckzähnen an. „Danke Elendil! Danke Rascal! Ging ja fix.“ Mit diesen Worten legte ich die Schilde vor Briesel und lächelte in Erwartung des gebührenden Lobes. Die Farbe des Chefs wechselte zwischen Grün und Orange. „Interessantes Farbspiel, Sir.“ Das hätte ich wohl nicht sagen sollen, denn das Gebrüll ging schon wieder los: „SOOOO NICHT, DU WURST! SELBER HOLEN UND BESCHREIBEN! AUF DER STELLE! AUS MEINEN AUGEN!“ Ich zuckte mit den Schultern, grinste und verließ widerstrebend die gemütliche Tanke.

I. Gutes muss nicht teuer sein

Ein erster Schild war ja gar nicht weit von hier, eher gesagt unter mir, aber wie rankommen; jedenfalls ohne wildes Herumgelaufe, Knöpfchendrückerei und Jojo-Spielen? Da kam mir eine gute Idee und ich lehnte bald an einem Baum und erntete Äste ab. Ich hatte Glück und musste nicht lange warten, bis ein junger Elf mit einem Spiegelschild hereinkam. Er würdigte mich keines Blickes und suchte verzweifelt den Baum ab. Ich räusperte mich und sagte freundlich: „Suchst Du was, Hohlkopf?“ Er blickte auf antwortete: „Ich brauche dringend einen Pflock, um endlich diese Quest zu beenden.“ „Nun, Du könntest mir Deinen Spiegelschild geben und ich sagte Dir dann wie Du an einen Ast kommst“, antwortete ich ihm großzügig. „Niemals, Dich kenn ich. Du bist immer gemein und hast meine Freunde beleidigt“, regte sich der Kleine auf. „Gut, dann eben nicht“, sagte ich ihm lächelnd und stocherte mir den Rest eines Gardewächters aus meinem Gebiss mit einem frischen Ast, der gerade nachgewachsen war. „Vielleicht könnten wir uns ja doch einigen?“, schlug der Elf daraufhin vor. „Sicherlich“, sagte ich ihm. „Besonders, wenn Du mir zu dem Schild noch fünfzigtausend Münzen dazu gibst.“ „Aber, ich habe doch nur zwanzigtausend“, jammerte er. „Na gut, niemand soll sagen können, dass ich ungerecht wäre“, stimmte ich ein und ließ mir Schild und Münzen aushändigen. Wie ich es versprochen hatte, erklärte ich ihm, wie er an einen Ast kommen konnte: „Du musst nur hier warten, bis ein Ast wächst und ihn Dir dann nehmen.“ Die Verwünschungen und Flüche, die mir dieser undankbare Zeitgenosse an den Kopf warf, ignorierend ging ich an einen ruhigeren Ort und untersuchte den Schild. Er war zwar aus lichtspiegelndem Gold, aber ansonsten ohne besondere Merkmale, sodass der Spiegelschild nur noch als halbwegs gut angesehen werden kann.

II. Wiegenlied für ein Drachenbaby

Mein nächster Weg führte mich zur Hochebene, um mich dort von der ungemütlichen Hektik zu erholen. Als ich bei einem Drachenbaby ankam, wurde ich dort von einem Zauberer mit grimmigen Blicken empfangen. „Lass mein Drachenbaby in Ruhe, ich weiß das Du Schilde suchst“, sagte er drohend. „Aber Nairolf, würde ich jemals einer harmlosen Kreatur etwas zu Leide tun?“, fragte ich mit unschuldigem Blick. „Du vergreifst Dich doch nur an Kleineren!“, gab der bartlose Zauberer zurück. Ich überhörte diese Bemerkung und bot ihm stattdessen zur Besänftigung zehn Säckchen an, die prall mit Edelsteinen gefüllt waren. Leider stolperte ich nach ungeschickter Kämpferart, möglicherweise durch das gierige Glitzern in den Augen des Zauberers irritiert und ließ die Beutelchen in alle Richtungen davonfliegen. „Halt! Lasst sie liegen, das sind meine!“, rief Nai und lief abgelenkt den Klunkern hinterher. „Und nun zu uns“, sagte ich grinsend zu dem Drachenbaby, das mich aus großen Kulleraugen fragend ansah. Kurze Zeit später hatte eine Schuppe aus der kleinen Leiche geschnitten und einem vorbeikommenden Hobbit testweise über den Schädel geschlagen. Die Drachenschuppe zersplitterte und der Halbling sah mich vorwurfsvoll an. „Tja, nur mäßig das Ding und nichts Besonderes“, erklärte ich dem wild schimpfenden Wichtel. Von dem Geschrei angelockt erschien Nairolf und sah entsetzt auf die Leiche des Drachenbabys. „Der da wars!“, deutete ich auf den Hobbit, ließ die Schuppe fallen und rannte wie angesengt in Richtung der Schreckensspitze.

III. Es gibt kein Bier in der Schreckensspitze

Ich pflückte mir die Reste einiger verglühter Feuerbälle aus der Kleidung und betrachtete den fetten Ork, der mir breitbeinig den Weg versperrte. Das sah nach Arbeit aus, dabei war ich durstig und hatte wenig Lust auf unnötige Bewegung. Ich brauchte nicht lange zu warten, bis ein etwas tatteriger Drachenopa hereinwälzte
„Hallo Lug“, ächzte der Greis, „Was machst Du denn hier – Bier gibts da unten nicht.“ „Och, ich seh mich nur mal so um“, sagte ich ihm, wobei ich mich bemühte sehr laut und langsam zu sprechen. „Jaja, aber sieh Dich vor, da sind lauter gefährliche Monster, viel zu hart für Dich“, warnte mich der klapprige Drache, wälzte den Ork nieder und verschwand tatternd im labyrinthischen Dunkel. Ich beschloss hinter ihm her zu schlendern, kam aber nur bis zu einer Art wütendem Backblech, welches sich drohend unter meinem Knie aufbaute. Ich trat es sanft aus dem Weg, worauf es eindellte und beleidigt umfiel. Irgendwie hatte es mich durch den Stiefel gestochen und bei näherer Untersuchung entdeckte ich einen merkwürdigen Griff, mit dem sich das ziemliche schwachsinnige Objekt doch tatsächlich als Schild verwenden ließ. Die Delle zeigte mir, dass das Blech auch nicht besser oder schlechter als die Drachenschuppe war. Ich wanderte weiter, wobei Horden von Sehern an mir vorbeizogen und durchquerte so viele seltsame Ebenen. Nur wo die gefährlichen Monster sein sollten, war mir unklar, dafür stand alles voller Seher. Schließlich war ich in einer völlig verräucherten Gegend gelandet und wünschte, ich hätte auf Tyrion gehört, denn irgendwie fand ich auch keine Kneipe. Gerade war ich bei einem seltsamen Feld angelangt und fragte mich, ob dies eine Todesfalle oder ein Ausweg war, als ein teuflisches Wesen erschien. „Ich werde Dich vernichten, Menschlein!“, zischelte das flammige Etwas, sprang wuchtig direkt in meinen Vollstrecker und verendete. Zu meiner großen Freude kullerte ein feuriger Schild aus der Leiche. Schön, so hatte man eine nützliche Dauerbeleuchtung und als ich den Schild anzog, war alles gleich etwas weniger heiß. Der Schild lag ziemlich gut in der Hand und ich war mir sicher, dass er dazu taugte, hitzig auf einen Gegner mit Schildstößen einzuprügeln. Und ohne Monster im Weg war das gute Stück auch gar nicht so schwer zu bekommen. Was konnte ich mir mehr wünschen? Ein Bier, dachte ich, als plötzlich eine Kartoffel, lecker mit Kräuterbutter bestrichen und in Silberfolie gehüllt in den Raum rollte. Essen! Auch gut, sagte ich mir und wollte mir gerade ein Stück heraussäbeln, da begann die Kartoffel zu protestieren: „Hey Lug! Pass auf wo Du hin stichst! Ich bin es, Dein Zwilling.“ Erschrocken ließ ich Vollstrecker und Gabel fallen, denn das hätte ich doch schon an der auffällig ähnlichen Nase erkennen müssen. „Äh, tschuldigung“, murmelte ich errötend. „Ich lauf derzeit auf wenig Flüssigkeit und such Schilde, das verwirrt.“ „Kein Problem“, sagte Kartoffel und gab mir eine Flasche Schüttelbier. „Du solltest mal Prinzessin Ainulenda helfen“, riet mir die edle Feldfrucht, winkte und verschwand in dem schimmernden Feld. Häh? Wen? Aber wenigstens war da anscheinend doch ein Ausgang, denn Kartoffel würde sich sicherlich nicht freiwillig in Pommes Rot-Weiß verwandeln. Zufrieden trank ich das Bier in den Tiefen der Schreckensspitze, natürlich ungeschüttelt und kippte in das Feld hinein.

IV. Borkenkäfer bei der Arbeit

Erst einmal musste das ganze Geraffel beim Sandtiger entsorgt werden. „Eyyy, was ist das denn? So eine Sauerei auf Deutsch gesagt“, brüllte ein renitenter Frührentner los. „Du bis wohl von die Kaputten, das ist doch keine Müllkippe, nä“. „Hi Therin“, fiel mir dazu nur ein. „Damals, als ich noch jung war, da hatten Seher noch Respekt, nä. Heb das sofort auf“, ordnete der tatternde Zauberer an und fuchtelte mit seinem Krückstock. Ich fragte mich, ob Therin nun auch noch kurzsichtig geworden war. Glücklicherweise erschien Kilar in diesem Moment auf der Bildfläche und grüßte mich: „Hallo Lug, wie gehts?“ Ich grüßte zurück und Therin krächzte erstaunt: „Lug? Wieso Lug? Verdammter Brocken, sag das doch gleich, nä. Man weiß heutzutage ja gar nicht mehr, wer hier alles rumläuft, kann man ja nicht genug aufpassen, nä. Außerdem hab ich kalte Finger, hat mal einer Handschuhe für mich?“ Mitleidig reichte ich ihm ein Paar schwarzer Handschuhe und fragte den alten Knacker: „Bei Deiner Lebenserfahrung, kennst Du doch sicherlich einen seltenen Schild, oder?“ Therin antwortete entrüstet: „Aber natürlich doch, kenne das Mud wie meine Westentasche, nä. Bertrams Insel, das verrottete Sumpfloch, auf Deutsch gesagt, nä.“ Mit dieser genauen Angabe ausgestattet machte ich mich auf den beschwerlichen Weg. Nach einem kleinen Abstecher in die Brauerei, Dienst ist schließlich Dienst, aber Durst geht vor, gelangte ich zum dem Mann mit den Fröschen und stand genervt am Ufer. Ich musste wohl oder übel ins Wasser. Wasser! Das war was für Frauen und Tucken, aber ich hatte doch erst vor sechs Monaten gebadet. Mein Versuch über das Wasser zu laufen scheiterte, also schwamm ich gefrustet auf die Insel. Kein Wunder das Therin dieses Eiland kannte, denn es war so eine Art Jurassic-Freudenpark mit Höhlenbären und Ruinen, aber davon sollen andere erzählen. Schließlich entdeckte ich ein Dorf mit Eingeborenen, die sich Mahahi nannten. Ich beschloss der scheußlichen Unterentwicklung ein Ende zu setzen, was auch ohne Schwierigkeiten gelang. Als Lohn für meine Mühen nahm ich mir von den gefallenen Kriegern, die das ja nicht mehr brauchten, einen Nasenring und einen Rindenschild mit. Da ich Hunger hatte und die Borke nach Süßholz aussah, biss ich herzhaft in den Schild. Mulchig zerbröselte mir das morsche Teil zwischen den Zähnen. Ich spuckte das Gebrösel würgend aus. Das schmeckte ja nur noch harzig und bitter, wie eine Kreuzung aus Schüttelbier und Retsina. Wozu man einen so schlechten Schild sonst noch brauchen könnte, ist mir unklar.

V. Prinzessinnen sind auch nur Frauen

Von so viel Anstrengung und Wasser völlig erschöpft, füllte ich mich in einer Spelunke in Port Vain ab und verteilte gute Ratschläge an einige junge Abenteurer, die mich zweifelnd ansahen. Gerade wollte ich den jungen Spunden erklären, warum früher alles besser war und wie man sich am schnellsten selbstlöscht, als ein bekannter Chaot mit einer Schildkröte, die er an einer Leine führte, hereinkam. Oder zog die Schildkröte nicht doch eher den Chaoten hinter sich her? „Huhu Lug“, sagten Nesaja und Key im Chor. Ich knickste höflich und weil ich wusste, dass Key seine Leichen schon an fast jedem Ort im Morgengrauen hinterlassen hatte, fragte ich ihn, ob er eine gekrönte Torte namens Ainusowieso kennen würde, war mir doch gerade der Hinweis meiner Lieblingsfeldfrucht wieder eingefallen. „Sicherlich“, grinste Key und bat Nesaja mich hinzubringen. Kichernd zog die Schildkröte mich hinter sich her. Quer durchs Morgengrauen bis zu einem seltsamen Portal, durch das wir einen Palast betraten. Kaum waren wir drinnen, da gab es ein lautes Klirren und als ich erstaunt aufsah, stand dort ein elfischer Gardewächter in langen, geblümten Unterhosen, der seine ganze Ausrüstung auf den Boden geworfen hatte. „Oh neiiiiiiiiiiiiiin, es ist Lug, ich hab mich doch extra aus dem Glockenwald hierher versetzen lassen“, wimmerte er zitternd. „Bitte tu mir nichts, Du kannst auch alle meine Sachen haben, ich muss eine Familie im Elfendorf versorgen, meine arme alte Mutter muss dort als Gärtnerin arbeiten.“ Ich machte eine mentale Notiz, mich um dieses Problem später zu kümmern und wollte den Wächter gerade wegen unzüchtiger Schildkrötenbelästigung nur ein ganz kleines bisschen hauen, da schob mich die Schildkröte weiter in eine Halle. „Keinen Ärger jetzt“, kicherte Nesaja. Key war vor uns angekommen und sagte: „Ich hab schon alles mit dem Alten klar gemacht, der lässt gerade seine Tochter holen, die wir dann sicher zu ihren Verwandten geleiten.“ Kaum hatte er dies gesagt, als auch schon eine junge Elfin erschien, die sofort loskeifte: „Was? Mit solch gewöhnlichen Bauern soll ich durch die Gegend ziehen? Und wo ist meine Sänfte? Sitzt mein Kleid richtig? Was für Schuhe soll ich bloß anziehen?“ Als wir unter ständigem Gebrabbel der Prinzessin den Raum verließen, konnte ich aus den Augenwinkeln noch sehen, wie der Elfenfürst und sein Gefolge fröhlich mit großen Pokalen anstießen. Wir waren kaum draußen, da jammerte die Spitzohrschnitte: „Mir ist kalt, dauert das noch lange? Geht nicht so schnell, ich will was von der Gegend sehen.“ Ein paar Schritte weiter jaulte sie: „Ich muss kurz austreten wartet gefälligst, bis ich soweit bin. Hey, haltet mir diese Mücken vom Leib.“ So ging es langsam aber nervig weiter, aber immer wenn ich der Prinzessin mit einem K.O.-Schlag etwas Ruhe gönnen wollte, fiel mir Nesaja kichernd in den Arm und ermahnte mich, das zerbrechliche Geschöpf besser nicht anzustupsen. Völlig entnervt in der Stadt angekommen, ging es noch langsamer weiter. „Ooohhh, ein Schuhgeschäft, ich muss einfach einen Moment vor dem Schaufenster stehenbleiben, sonst falle ich tot um“, gab die Nervschnecke einen alten Aberglauben der Frauen wieder. „Ist das nicht schön hier? Oh wie niedlich das kleine Baby da. Meine Tasche ist mir zu schwer, los trag sie! Wieso siehst Du mich eigentlich nie an, bin ich etwa hässlich? Heh! Starr mich nicht so an, Du Grobian. Geht nicht so schnell, warum dauert das so lange? Ihr habt mich nicht richtig lieb!“, nölte die hochwohlgeborene Tussi pausenlos vor sich hin. Gerade als ich endgültig das Wort abschneiden wollte, hatten wir doch noch den Zielort erreicht. Ein blass wirkender Elf nahm die Prinzessin mit verzweifelter Miene in Empfang. „Wie ich sehe, habt ihr es geschafft. Holt Euch die Belohnung im Palast ab“, knurrte der Elf uns böse ansehend. Key sah mich an und ich sah Key an und wir wussten beide, dass es Zeit für ein Abschiedsgeschenk an die Prinzessin war. „Hey, lasst das sofort sein“, kreischte die Elfin los, als wir auf sie einschlugen und floh bedauerlicherweise bevor wir sie dauerhaft zum Schweigen bringen konnten. Nesaja kicherte und zog sich einige Büschel Petersilie aus den Ohren. Die Belohnung stellte sich als kristalliner Schild aus Polareis heraus. Durch seine beträchtliche Größe schützt er recht gut, wobei feurige oder eisige Angriffe sicherlich recht gegensätzliche Auswirkungen auf das Eis des Schildes haben würden. Auch bei dem Gedanken frostig auf bestimmte Gegner mit Schildstößen einzuprügeln, wurde mir ganz warm. Ich dankte Key und Nesaja und überlegte mir, ob sich der Aufwand wirklich gelohnt hatte.

VI. Wer nicht hören will, muss fühlen

Niemand stand beim Tiger rum und es gab auch keine verzweifelten Hilferufe von selbstlöschungsbedrohten Anfängern, um mich aufzumuntern. Bei dem Stichwort „klein“ hatte ich eine Erleuchtung: das Goblinlager! Hatten mich die abgebrochenen Biester damals nicht herumgeschubst und verhöhnt? Zeit für einen kleinen Freundschaftsbesuch. Im Lager angekommen lag alles voller Leichen und ein junger Trves lief mit angesengten Haaren aufgeregt hin und her. Leicht genervt stellte ich ihm ein Bein, worauf er sofort wieder dahin taumelte, woher er gekommen war. Es gab einen kurzen Schrei und danach war es ruhig. Nur ein Hobgoblin, der etwas verschüchtert in einer Ecke stand, gab ein keuchendes Kichern hinter seinem Lederschild von sich. „Klappe und her mit dem Schild“, brüllte ich die hirnlose Gestalt an. Der Hobgoblin schüttelte seinen Kopf, doch nicht sehr lange, denn ich schlug ihm selbigen kurzerhand ab. Ich hatte ihn gewarnt, aber er wollte ja nicht hören. Der Lederschild erwies sich mal wieder als mäßiges Stück, bloß etwas leichter als das Kampfblech oder die Schuppe des Drachenjungtiers.

VII. Sozialreformen im Elfendorf

Der Ausflug in das Goblinlager hatte mich auf die Idee gebracht auch noch gleich deren Verwandten im Orklager mit einem Gastspiel zu beglücken. Auf dem langen beschwerlichen Weg hatte ich gerade den Eingang zum Elfendorf erreicht, als der Durst mich in die Elfenkneipe trieb. Kaum hatte ich das Dorf betreten, da wurde ich auch schon von einem spitzohrigen Wächter provoziert, der mich anpöbelte: „Mach hier keinen Ärger.“ Einer derart netten Aufforderung konnte ich einfach nicht widerstehen und gab ihm eine gebührende Antwort mit meinem Schwert. Irgendein bescheuerter Wachelf musste natürlich auf seiner Tröte rumpusten, worauf ich binnen kurzer Zeit das ganze Pack am Hals hatte. Die Elfen kämpften beängstigend gut, jedenfalls musste ich aufpassen, nicht vor Lachen zusammenzubrechen. Eine Elfengärtnerin reichte erfrischende Getränke herum, zu meiner Verärgerung allerdings ohne an mich zu denken. War dies nicht die alte Schachtel, die für ihren faulen Nudistensohn bei den Eiselfen schuften musste? Solche Ungerechtigkeiten waren für mich unerträglich. Ich beschleunigte meine Angriffe, brachte die Wächter der Reihe nach um und sprang dann hinter der feige flüchtenden Gärtnerin her, die sämtliche Ausrüstungsstücke aus den Leichen gefleddert hatte. Ihre Leiden endeten mit einem kräftigen Hieb. So bin ich eben, immer selbstlos im Einsatz für die Schwachen und Kleineren. Leider hatte ich dabei wohl etwas zu viel Schwung, stolperte und fiel kopfüber in den Elfenhain. Als ich aufsah, sah ich zwei wohlgeformte Beine, welche sich über mir weiter fortsetzten und erst nach einer ziemlich langen Wegstrecke mit noch mehr Bein in einer Elfe endeten, die zauberhaft auf mich herablächelte. „Hallo Lug“, sang sie fröhlich. „Äh, uhm, hallo Xera. Öh, toller Kämpfertrick was? Sowas mach ich doch ständig“, stotterte ich und sah wohl aus, wie eine Tomate nach vier Wochen Urlaub auf der Sonneninsel. „Sicherlich doch Lug“, trällerte Xera und lächelte mich undurchschaubar an. „Von wegen, die Oberwurst Lug packt es mal wieder nicht“, riss mich eine annähernd männliche Stimme aus allen Träumen. Huch, da hatte doch eine Anzahl recht dubioser Gestalten übersehen, die zahlreich um die Zauberin herumstanden. „Hallo, Jungs“, grüßte ich die Herren Magier und wich drei Schritte zurück. Ich räusperte mich auffällig und beschloss, mutig die Flucht zu ergreifen, bevor mich einer zappen konnte. Mit einem eiligen Winken begab ich mich zurück zur gammeligen Leiche der Gärtnerin und fischte mir einen hölzernen Elfenschild aus dem glibberigen Siff. Für seine Größe war der Schild recht leicht und der Schädeltest an einem Elfenhändler ergab eine halbwegs gute Qualität. Einfach zu bekommen und für den Anfänger oder einen eiligen und nackten Trves sicherlich keine schlechte Wahl.

VIII. Verwandtenbesuch

Nachdem ich mir ein paar Härter hinter die Kiemen gezogen hatte, latschte ich endlich zum Orklager und ballerte den Unterbissträgern gut gelaunt ein paar vor die Kiefer. Links ein Ork, rechts ein Ork, links ein Ork, rechts ein Wolpertinger … Wolpertinger? Ich sah erstaunt auf das zappelnde Fellknäul an der Spitze meines Schwertes, als plötzlich eine nervenzerfetzende Sirene hinter mir loskreischte: „LUG, DU SCHWEIN, DU MÖRDER, DU DIEB, ICH WERDE AUF DEM ALLGEMEINEN KANAL RUMBRÜLLEN, ICH SCHREIB ARTIKEL, ICH RUFE MAGIER ZU HILFE, ICH SAGE ALLEN WAS FÜR EIN AR…“ Weiter kam Orktröte nicht, denn ich stopfte ihm einen ledernen Schild ins Maul, der aus einer Orkleiche geragt hatte. Das Teil verschwand ganz in der großen Klappe – das war ja wohl nur ein mäßiges Schild – aber wenigstens war Ruhe. Ich zuckte mit den Achseln, wünschte Orktröte viel Glück und suchte nach der nächsten Kneipe.

IX. Die Wahrheit ist da drinnen, Scully

Ich hatte erst ein kleines Stück des Weges zurückgelegt, da blendete mich gleißendes Licht und ich sah weiße Flügel flattern. Sofort griff ich zu einem Steinbrecherhammer, um die verdammte Putte mit einem gezielten Schwinger aus der Luft zu fegen. Doch als sich meine Augen auf das Licht eingestellt hatten, erkannte ich Lillebror Scully vor mir. „Ah Ätschend Lug, begleiten sie mich doch zu einer Untersuchung. Ich habe hier eine dringende Z-Akte vom Zwergenkönig erhalten“, begrüßte mich die geflügelte Kämpferin. Ich zermarterte mir die Überreste meines Gehirns. Irgendetwas hatte mich einst mit Lillebror verbunden, aber ich kam nicht drauf, was wohl mit meiner Entführung durch Außermuddische zusammenhing. Vielleicht würde diese Untersuchung mir endlich den ersehnten Beweis für die Existenz der Außermuddischen erbringen, eine finstere Verschwörung in höchsten Magierkreisen aufdecken oder mir endlich Hinweise auf meine entführten Fünfti bringen, darum stimmte ich zu. Zunächst verschafften wir uns zu Zugang zu einem von seltsamen Mutanten bevölkerten Komplex, der als Vergnügungszelt getarnt war. Durch einen getarnten Hinterausgang erreichten wir ein verfallenes Gebäude, welches offensichtlich ein konspirativer Treffpunkt der Außermuddischen war. Die Agentin führte mich durch ein labyrinthisches Gewirr von Gängen. Nachdem ich mich mehrmals verlaufen hatte und von Lille ermahnt worden war, endlich auf sie zu hören und nicht ständig den Macho raushängen zu lassen, hatten wir endlich Kontakt. Da standen sie, eindeutig außermuddische Hybriden. „Da sehen sie doch, Ätschend Lillebror Scully! Das ist der Beweis, Außermuddische! Ich würde sogar sagen, es sind Güldenländer“, flüsterte ich aufgeregt. „Wie kommen sie auf diesen Blödsinn?“, erwiderte sie zweifelnd. „Na, die Typen sehen doch ziemlich fertig aus und kommen trotzdem nie raus“, erklärte ich mit männlicher Logik. „Ich bin sicher, es gibt dafür eine wissenschaftliche Erklärung“, entgegnete Lille. Da uns die Kreaturen keine Antworten gaben und weitere Untersuchungen behinderten, sahen wir uns gezwungen, die ganze Brutstätte auszuheben, wobei ich ihr höflich den Vortritt ließ. „Es ist alles ganz einfach zu erklären“, meinte Lillebror nach der Obduktion diverser Leichen. „Mangelnutrition durch Nekrophagie und additiv negative Effekte durch geringe UV Lumineszenz haben kausal zu den phänotypischen Degenerationserscheinungen beigetragen. Ihre wirren Hypothesen lassen sich nicht halten“, dozierte die Frau geschwollen. „Häh?“, gab ich kritisch zurück. „Giftige Ghulifizierung“, versuchte sie mir zu erklären. Ich hörte jedoch nicht mehr zu, denn meine scharfen Augen hatten ein winziges Detail entdeckt, welches den totsicheren, absolut unschlagbaren Beweis für meine Schlussfolgerung lieferte. Triumphierend nahm ich einen großen, klobigen Schild mit einem aufgemalten Totenkopfwappen aus der Leiche eines Wächters. „Sehen sie doch Scully! Dieser mäßige Schild lässt sich nur mit zwei Händen tragen. Ein komplett bescheuertes Ding und fast völlig unnütz. Es muss von da draußen hierhergekommen sein“, argumentierte ich sachlich. Lillebror sah mich mit zweifelnden Blicken an und fasste sich stöhnend an den Kopf. Da hatte ich wohl Ihr Vertrauen in platte Erklärungen erschüttert. Sie hustete und seufzte schwer. „Danke für die Hilfe Ätschend Lug, ich glaube ich löse den Fall jetzt alleine weiter, denn sie müssen hinausgehen und diese wichtigen Erkenntnisse dem ganzen Morgengrauen mitteilen“, sagte sie mit verdrehten Augen. Das war wohl die Begeisterung, sagte ich mir und eilte mit großer Dankbarkeit für so viel Verständnis an die Oberfläche zurück.

X. Im Wald da waren die Räuber …

Irgendwas Wichtiges war zu erledigen, aber erstmal brauchte ich einen Schluck zu trinken und der Magen hing auch schon auf Halbmast. Ich hetzte zur Struv-Kneipe, aber nahm irgendwo eine falsche Abzweigung und fand mich plötzlich oben auf der Schreckensspitze wieder. Dort fiel mein Auge plötzlich auf die Hängebrücke, die ich, nachdem dort ich in früher Jugend Bunyipspringen ohne Seil übte, nie wieder betreten hatte. Neugierig geworden wechselte ich mutig auf die andere Seite. Bei meiner Erkundung geriet ich in einen tiefen Wald und an eine Kreuzung, auf der eine vermummte Gestalt stand. Ohne Worte versuchte der Kerl an mir rumzugrabbeln und zog dann auch noch ein paar Münzen aus meinen Taschen. Es hätte seiner Gesundheit nicht geschadet, es zu lassen, aber als ich meine Münzen in seiner Hand sah, fiel ich in Raserei und zerdellte dem Räuber die Gurkennase. Komischerweise war der Wald voll von diesen lernunfähigen Nieten, sodass es geradezu in Arbeit ausartete. Meine Mordsgeduld wurde jedoch belohnt, denn bei einem der Räuber mit aufgesticktem Namensschildchen „Alnac“ fand ich einen Lederschild. Dieser war zwar nichts Besonderes, aber halbwegs gut zu gebrauchen. Dennoch würde ich einer gut aussehenden Anfängerin eher den Elfenschild aufgrund seiner Leichtigkeit und guten Erreichbarkeit empfehlen.

XI. Crash-Kurs in Frauenfragen oder Lug hat eine Schuppe im Haar

Endlich hatte ich die Struv-Kneipe erreicht und freute mich auf ein paar kühle Eimer Struv-Suff, da wurde ich von ein paar angehenden Klerikerinnen abgelenkt, die sich um einen Haufen Waffen und Rüstungen versammelt hatten. Ich erkannte Tameli und Tore in dem Pulk und wollte ihnen freundlicherweise ein paar neue Ausgaben des „Glockenturm – Die kostenlose Ge-Botin der Zeuginnen Saphinas“ zukommen lassen (bei den betreffenden Ausgaben handelte es sich um: „Armaggedon ist mal wieder nah!“, „Keine Heilung ohne Spenden“ und „Klöppelarbeiten für den Weghier“), da begann der Schrotthaufen zu sprechen: „Ein guter Kämpfer hat immer verschiedene Waffen und Rüstungen dabei.“ Unverkennbar dieser nölige Tonfall, es konnte sich nur um Kiu handeln. „Ein guter Kämpfer kann nie genug Ausrüstung dabei haben“, belehrte der Materialberg weiter. Als der nächste Satz erneut mit den Worten „Ein guter Kämpfer“ anfing, stupste ich Kiu leicht genervt, ganz vorsichtig an. Irgendwie hatte die Schwerkraft ihn bis dahin wohl übersehen, und nun hatte es die Gute plötzlich eilig, das Versäumte nachzuholen. Jedenfalls begann sich der ganze Materialberg langsam, aber stetig nach vorne zu neigen, wobei es aber nicht lange bei langsam blieb. Mit lautem Scheppern krachte Kiu ungraziös zu Boden und aus dem wandelnden Waffenarsenal ertönte ein lautes Fluchen. Dies war eine gute Überleitung für mich und ich räusperte mich und sprach weise: „Ein guter Kämpfer sollte vor allem ein Mann sein.“ Weiter kam ich nicht, denn ein Hagel von Wurfgeschossen kam in meine Richtung geflogen. „Undankbares Pack“, grummelte ich leicht verstimmt und zog mich eilig zurück. Bei Hondam angekommen, schüttelte ich diversen Müll aus meiner Kleidung, als mein Blick auf eine goldene Drachenschuppe fiel, die sich unbemerkt in den Zacken meiner Kristallkrone verfangen hatte. Heh, das Teil war ja völlig gewichtslos, dann musste es die Schuppe von Grambolin, dem dusseligen Drachen aus der Atlantis-Quest, sein. Ich ging rasch zur Oberschnepfe Trina und drückte ihr mit goldigem Grinsen ein „Frauen-in-die-Klerikergilde“-Fähnchen in die Hand. Das hatte die erwartete Wirkung, denn sie drosch blindwütig auf die Drachenschuppe ein, die ich mit ausgestreckten Armen vor mich hinhielt. Die Schuppe hielt das sinnlose Geballer und zickige Gekeife sogar einige Minuten unbeschadet aus. Das sprach für eine ziemlich gute Qualität, wie jeder weiß, der schon mal bei ihr in Ausbildung war. Allerdings hatte ich das Dingens in besserer Erinnerung, denn es bekam schließlich doch tiefe Beulen. Dafür lohnt sich jedenfalls nicht, die unbequeme Feuchtigkeit von Atlantis auf sich zu nehmen. Kriegt man doch bloß Rheuma von.

XII. Warum in die Ferne schweifen?

Ich unterdrückte den Impuls auf Trina einzuschlagen und wollte gerade gehen, da kam Tarina an. Reflexartig griff ich in den Klingelbeutel mit Saphina-Broschüren, aber Tarina hielt mir grinsend ein Himbeerorkbärchen unter die Nase, sodass ich den Schriftsatz lieber stecken ließ und artig um das Bärchen bat. Tarina grinste, reichte mir die Gummidelikatesse und fragte: „Wozu veranstaltest Du eigentlich diesen Zirkus mit Trina hier?“ Ich erklärte ihr kauend meine hehre Aufgabe und wie es mir bisher ergangen war. Tarina kicherte und fügte hinzu: „Den Schild hier hast Du ja sicher schon und den anderen aus Atlantis natürlich auch.“ „Äh sicherlich, natürlich doch“, behauptete ich und fügte einen überzeugenden Augenaufschlag hinzu. „Dann sei jetzt mal ein guter Junge und lass Trina in Ruhe, denn sie muss gleich ausbilden“, ordnete Tarina an und winkte mit einem Zitronenorkbärchen. Ich nickte begeistert, bekam das Bärchen und marschierte schnurstracks zu Gramdala. Wieso hatte mir nie einer was von Schilden in der Waffenkammer gesagt? Frechheit. Ich stürmte zu Zorkkelba rein und brüllte: „Stillgestanden! Grüßen! Übungsschild her!“ Sofort bekam ich den Schild in die Hand gedrückt und war draußen, bevor irgendjemand dumme Fragen stellen konnte. Toll die militärische Disziplin in dem Laden hier. Der Drill ersetzt ja praktischerweise jedes Denken. Der Schild war ein großer, rechteckiger, mit Bronzebeschlägen versehender Schild aus Wurzelholz. Zu meiner großen Überraschung erwies sich der Schild als halbwegs gut und nicht einmal schwer. Dazu ist er noch ohne jede Schwierigkeit zu bekommen und für kleine, nichtsnutzige Nichtseher könnte höchstens der lange Weg abschreckend sein.

Lug