Es war soweit – endlich! Ich wurde zum „Zerstörer“ befördert und wartete gespannt auf die letzte Aufgabe, die mir der Kommandant stellen würde: Das Thema zu meinem Bericht, in dem ich endlich mal beweisen könnte, wie gut ich in den letzten Monaten geforscht, geübt und gemetzelt habe. Da stand ich nun vor Brieseltrim Grieselhuck, welcher mir auf die Frage nach meiner Beförderung erwiderte: „Ich kann dich nicht befördern, bevor Du nicht einen Bericht zu dem Thema ‚Haustierhaltung und warum man sie vermeiden sollte‘ abgibst und bewerten lässt“. ‚Was?? Das konnte unser Kommandant nicht ernst gemeint haben!‘ dachte ich mir.

Mit einem Schlag war ich aller Illusionen darüber, Elfen, Menschen und anderes Fußvolk von der Unbrauchbarkeit von Speeren oder Schwertern zu überzeugen, die Katakomben als mein zweites Zuhause vorzustellen oder wenigstens die Resistenzen oder Anfälligkeiten einiger Monster zu vergleichen, beraubt. Aber das – das konnte doch nicht wahr sein – HAUSTIERE! Mein Gesichtsausdruck muss wohl Bände gesprochen haben, denn Brieseltrim schaute mich ein wenig mehr streng und verärgert an und entließ mich auf seine übliche, charmante Art. Bestechung war damit wohl ausgeschlossen, ich seufzte.

Als ich das Büro des Kommandanten verlassen hatte, überkam mich eine gewisse Frustration und Verwirrtheit über das Berichteschreiben, die Willkür der Themenauswahl und den Zweck des Titels „Zalkh´Batar“. Wie sollte ich einen Bericht über mehrere Seiten verfassen, dessen Inhalt – quantitativ betrachtet – doch an und für sich zwei Zeilen nicht übersteigt?!

Haustiere verursachen Scroll, sind unnütz, bringen im Struv nur Verweise ein und nerven harmlose Sandtiger-Idler oder MPA-Leser. Ich ächzte und beschloss, mich meinem Schicksal zu ergeben und das von mir längst gefällte Urteil zum Thema Haustiere einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen. Sollte ein Katzenvieh, eine Töhle, ein Affe oder geflügelter Geselle etwa doch Vorteile haben, von denen ich als einigermaßen überzeugter Tier-Verächter noch nichts ahnte?

Ich machte mich also auf den langen, beschwerlichen Weg durch die Wüste nach Lash, denn dort sollte es eine Tierhandlung geben, in der man diverse Haustiere erwerben könne. (Anmerkung des Verfassers: Wäre ein Tierheim nicht eine zeitgemäßere Institution für all das Getier gewesen, dessen sich ein Spieler nach einigen gemeinsam verbrachten Scroll-Online-Tagen guten Gewissens entledigen könnte?) Bei der Zoohandlung angekommen war ich einigermaßen enttäuscht, wie wenig sich das Verkaufspersonal um Kundschaft bemüht – geradezu lieblos. Der Verkäufer stand lediglich hinter der Theke und reagierte auf keine meiner Fragen. Die einzigen Informationen, die ich zum Kauf bzw. späteren Verkauf der Tiere erfahren konnte, waren einem Preisschild zu entnehmen. Darauf las ich dann auch das, was meinen ganzen Bericht prägen sollte:

„… Wir sind stolz, Ihnen verschiedene Tiere zum Kauf anbieten zu können. Die Tiere werden Ihnen treu sein, sie werden Ihnen überall hin folgen. Alle Tiere haben etwas gelernt, die einen mehr, die anderen weniger. Wie es sich für richtige Haustiere gehört, sind alle zu nichts nutze, sie sind nur echte Freunde …“

Im Klartext soll das wohl soviel bedeuten wie: man bezahlt Geld für etwas, das keinen echten Nutzen hat, ein paar Kunststücke kann und ein echter Freund ist. Worin liegt also der Sinn einer Haustieranschaffung, das darf ich an dieser Stelle ja nun wohl berechtigtermaßen fragen.

Nun machte ich mich daran, zu überprüfen, ob alleine die Kunststücke der einzelnen Tiere den Aufwand, den die Haltung eines solchen „Freundes“ mit sich bringt, wert sind. Ich begann mit dem preisgünstigsten Tier aus dem Sortiment, einer Maus.

Mit dem Tier, dessen Namen ich natürlich selbst wählen durfte, erhielt ich ein Zertifikat, das mir den ordnungsgemäßen Kauf des Mäuschens mit dem klangvollen Namen „Nervdingens1“ bescheinigte. Außerdem stand mir nun die Tierhilfe zur Verfügung, in der mir die Befehle und Eigenschaften meines neu erworbenen Hausgenossen auseinandergesetzt wurden.

Auf Kommando legt sich die Maus auf den Rücken, hüpft hoch, läuft dem Besitzer über die Hand, dreht sich im Kreis oder macht einen Handstand. Ich konnte der Maus auch befehlen, andere Spieler anzustupsen oder sie zu ihnen schicken, um sie zu erschrecken. Ferner wuselt die Maus durch die Haare des Besitzers und knabbert am Ohr, was kitzelt und von den wichtigen Aufgaben eines Kämpfers ablenkt. Sie neigt auch dazu, alle im Raum Anwesenden in die Hacken zu kneifen und dabei zu quieken. Alles in allem ist dieses Haustier recht nutzlos, da es durch diverse Aktionen und durch sein anhängliches Verfolgen seines Besitzers nur von wichtigen Informationen ablenkt. Die Option, das Tier wieder zu 80% des Kaufpreises zu verkaufen, ist – wie ich später ausführlicher erläutern werde, nicht nur bei diesem Tier – dringendst in Anspruch zu nehmen.

Das zweitbilligste Tier im Angebot danach war ein Kater bzw. eine Katze. Auch diese Tiere haben mehr oder weniger nützliche Kunststücke gelernt, die man ihnen ebenso wie bei der Maus nicht als Befehl sagt, sondern sie ausführt, denn „Katzen hören nicht gern zu“ (Zitat aus der Tierhilfe). Auf Wunsch schnurrte oder fauchte meine Katze „Nervdingens2“ andere Spieler an, lief ihnen zwischen den Beinen umher, sodass sie Gefahr liefen zu stolpern. Die extremste Maßnahme, einen Mitspieler mit seinem Haustierchen zu drangsalieren, liegt in der Fähigkeit der Katze, sich auf Verlangen des Besitzers an einen anderen Spieler heranzuschleichen und ihn hinterhältig mit ihrer Pfote zu kratzen, weder tropft danach aber dessen Blut auf den Boden, noch sind seine Hände danach im Extralook zerschunden – wie schade, nicht wahr? ;) Streitsüchtig und einzelgängerisch wie Katzenviecher nun mal sind, vertragen sie sich nicht mit Mäusen, Hunden und Papageien. Sollte man mit seiner hinterdreinschleichenden Katze in einen Raum kommen, in dem ein Spieler mit seiner umhertrippelnden Maus, seinem Hund oder freifliegenden Papagei steht – womöglich sogar sorglos idelt (welch Skandal!) –, kann es zu wilden Hetzjagden unter den Tieren kommen, bis schließlich ein Herrchen/Frauchen dazu gezwungen wird, sein/ihr Tier auf den Arm zu nehmen. Auch als Zuschauer ist eine derartige Skrollproduktion äußerst lästig. Einen Nutzen hat auch dieses Tier in keinster Weise, es lenkt ab und erfreut seinen Besitzer meist nur durch seine Abwesenheit.

Nun musste ich zum Testen bereits die Tiere der gehobeneren Preisklasse auswählen, angefangen mit dem Schimpansen für 10.000 Münzen. Wie sich herausstellen sollte, war dies das Tier, das sich als Hausgenosse am schlechtesten eignet. Im ersten euphorischen Moment des Neuerwerbs erscheint der Schimpanse als Haustier recht praktisch, denn ihm wurde beigebracht, beim Betreten eines Raumes einige herumliegende Gegenstände aufzuheben und auf Kommando wieder fallen zu lassen. Allerdings haben seine Tollpatschigkeit und seine körperliche Kraft schon allerhand Probleme beschert. So ist es beispielsweise Abenteurern, die mit ihrem Affen durch den Dschungel spazierten, widerfahren, dass sie durch das Gewicht des Affen in die Fallgrube der dort hausenden Kannibalen fallen (was einem echten Trves als Mutprobe nicht allzu sehr beeindrucken kann). Der hopsende Schimpanse sammelt also nach Gutdünken wertvolle und unbrauchbare, scheinbar herrenlose Gegenstände auf, nur manchmal sind auch Waffen oder nicht gänzlich uninteressante Rüstungen darunter – natürlich nichts, was sich ein wahrer Level-22-Kämpfer ohne viel Aufwand wieder beschaffen könnte. Wenn man nun aber dem Schimpansen befiehlt, diese oder jene Waffe fallen zu lassen, kann es vorkommen, dass er dies verweigert, welches im ungünstigsten Falle im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode ärgern kann.

Schimpansen fallen durch ihr Ungeschick auch noch auf andere Weise negativ auf. Es gibt ja einige unter den Trves, die derart nett sind und zum Beispiel Komponenten für Zauberer (meistens Zauberinen ;) ) sammeln – selbstverständlich nur, wenn sie ganz zufällig abfallen. Einem solchen Trves widerfuhr es, dass er – bevor er sie Llystrathe in den Rachen werfen würde – einige Komponenten in sein Haus legte, damit eine Zauberine sich diese abholen könnte. Nur hopste dieser ihr Schimpanse hinterher, der sofort einige dieser Komponenten aufklaubte. Sie befahl ihm, diese fallen zu lassen, was der Schimpanse mehr oder weniger versuchte. Jedoch war dieses Exemplar äußerst tollpatschig und noch dazu so kräftig, dass es einige Komponenten beim Ablegen zerbrach. Nicht, dass es einen Trves auch nur im Geringsten stört, wenn der Spitzhutkram nicht mal von einem Schimpansen kaputtgemacht wird, es ist aber bedauerlicherweise auch möglich, dass solch ein Tier eine gute Waffe, wie zum Beispiel eine Axt, an sich nimmt und dann beim Hergeben aus Trotz sozusagen beschädigt und das wäre dann doch wirklich ein Verlust! Außer dem Affentheater, Rüstungen und Waffen willkürlich zu nehmen und zu beschädigen, kann man den Tieren befehlen, andere Spieler zu kraulen bzw. zu kneifen. Nicht mal lausen können sie einen anständigen Kampfzwerg!

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Schimpanse das Haustier ist, welches für Besitzer und Rüstung die größte Gefahr birgt und natürlich – wie alle Haustiere – absolut sinnlos ist.

Die Auswahl an Haustieren war nun nicht mehr eben groß und ich testete die Fähigkeiten des Hundes. Meine Begeisterung hielt sich auch hier sehr in Grenzen, nicht einmal sein Hereintrotten wirkte sonderlich imposant. Die Analyse der Kunststücke, die diesem „Freund fürs Leben“ beigebracht wurden, bestätigte diesen ersten doch sehr gemäßigten Eindruck. Auf die laut ausgesprochenen Befehle „Platz“ und „Sitz“ bzw. „Gib laut“ setzt sich das Tier hin bzw. gibt ein kurzes Bellen von sich. Wer hier nach dem Sinn fragt, hat verloren, zumal man ja auch dieses Haustier wie die anderen ruhigstellen oder verschwinden lassen kann. Zu diesen außerordentlich beeindruckenden Kunststücken kommen noch das Bei-Fuß-Gehen, was der Hund eigentlich auch so macht, sowie das Toter-Mann-Spielen, bei dem sich das Tier hinlegt. (Von mir aus auch liegen bleiben könnte). Man kann den Hund auch dazu anhalten, andere Spieler zu begrüßen. Bleibt nur die Frage, wie gerne es ein Freund/Feind hat, von einem Schäferhund abgeschleckt zu werden. Besonders attraktiv ist der Befehl des Hundehalters, andere Lebewesen in die Ecke zu drängen, was einem jedoch keinen Vorteil im Kampf bringt und somit als nutzlos einzuordnen ist. Extrem faule Tierhalter können sogar dem Hund befehlen, Sachen zu apportieren, wobei ein „Nimm Gegenstand“ doch wohl mindestens genauso gut funktioniert, schließlich hat man doch Aliase :).

Zusammenfassend kann man den Schäferhund als absolut überteuertes Haustier ohne einen echten Nutzen einstufen. Die große Anzahl an sinnfreien Kunststücken rechtfertigt keinesfalls den hohen Erwerbspreis.

Das Angebot der Tierhandlung war nun ausgereizt, übrig blieb der Papagei, den ich noch auf seine Tauglichkeit zu testen hatte. Das Positive an diesem Tier ist, dass man gleich beim Kauf einen Käfig in die Hand gedrückt bekommt, in den man das Federvieh hineinstopfen kann, sollte es anfangen zu nerven. Ich musste feststellen, dass diese Tierchen besonders redefreudig sind. Sie begrüßen jeden, der in den Raum kommt, schnappen einiges von der geführten Unterhaltung auf und plappern es nach. Außerdem neigen sie dazu, einige Gespräche mehr oder weniger sinnvoll zu kommentieren. Man kann durch häufiges Wiederholen dem Papagei einige Sätze beibringen.

Dem Tier sind eigentlich nur drei Kunststücke beigebracht worden: Er ist auf Befehl still bzw. plappert los, ferner kann man ihn zu bestimmten Spielern schicken, die er dann mit seinem Geplauder erfreut (oder tyrannisiert?). Dies kann für den/die Betreffende(n) äußerst anstrengend sein. Zuweilen kommt es auch vor, dass mehrere Papageien zu ein und derselben Person geschickt wurden. Sollte diese Person sich dann irgendwo (sehr schnell ;) ) bewegen, begrüßen sich alle Papageien untereinander und je nach Bewegungsgeschwindigkeit sogar mehrfach. Dies ist natürlich für den Spieler eine nicht geringe akustische Raumumweltverschmutzung. Allerdings kann der betreffende Spieler den Papageien auch umerziehen, nach dem Motto: Rache ist süß.

Mir erging es bei meinen Nachforschungen derartig, dass mein Papagei nach einem kleinen Ausflug zu einem guten Freund fröhlich zu mir zurückkehrte und mir das komplette „Vater unser“ vorbetete, was ich ihm vorher definitiv nicht beigebracht hatte. Der Papagei hat als Haustier einen gewissen Spaßfaktor, ist aber durch sein ständiges Geplapper und Flattern nervig.

Rückblickend ist über die Haustiere festzustellen, dass sich alle durch ihre enorme Nutzlosigkeit auszeichnen. Da einige sogar eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, kann man jedem Trves davon abraten, so ein Haustier zu besitzen. Hinzu kommt der Eindruck von Disziplinlosigkeit, die man durch das Trippeln, Schleichen, Hopsen, Trotten und Flattern gegenüber Nicht-Trves vermittelt, was man doch wohl unter allen Umständen vermeiden sollte. Wer dennoch nach diesem Plädoyer gegen die Haustiere noch immer nicht gewillt ist, sein Schoßhündchen, Kätzchen oder Federviech im Körbchen zu lassen, sei an die Holzpfeife erinnert, die es im Seherladen zu erwerben gibt und deren schrilles Liedchen dem lästigsten Hausgenossen ganz flux Beine macht.

In den diversen Kneipen im Morgengrauen hört man bisweilen Geschichten über andere allerliebste „Haustiere“. Da wären der Feuerelementar und das Einhorn. Da diese „Tiere“ jedoch so selten und nicht von Nachteil sind, habe ich sie hier in meinem Bericht nicht berücksichtigt. Außerdem habe ich über eine Abhandlung zum Thema Felinen verzichtet, weil sie meiner Meinung nach nicht direkt zu den Haustieren gehören. Schließlich gibt es sogar einige dieser Katzenkrieger in unseren Reihen, auch wenn ein bestimmter Zalkh´Batar diese in den Schredder stecken will.

Das ist alles, was ich, Karic der Zerstörer, über die Haustiere des Morgengrauens zu berichten weiß.