Da sitze ich also in meinem gemütlichen Heim, halte die kalten Füße in die Nähe des prasselnden Feuers im Kamin und labe mich an einem großen Humpen Zwergenbier. Zwischendurch starre ich dieses komische, schwarze, schuppige Etwas an, das man durchaus als Rüstung bezeichnen könnte, wäre man nicht ein alter und verwöhnter Kämpfer wie unsereins.

Ich seufze tief, leere den Humpen in einem Zug und stelle ihn zurück auf den Mahagonitisch. Völlig entspannt kuschle ich mich tiefer in meinen weichen und bequemen Zwergenledersessel und lasse meine Gedanken abschweifen …

Es regnet. Die Wolken hängen schwer am Himmel. Völlig durchnässt, Gesicht und Hände mit zahllosen Kampfwunden übersäht, melde ich mich bei Brieseltrim zurück. Die letzten Wochen und Monate habe ich zahllose Monster in die Hölle geschickt und meine kämpferischen Fähigkeiten nicht nur ununterbrochen unter Beweis gestellt, sondern auch kontinuierlich verbessert. Ich bin nun an einem Punkt angelangt, wo die längst ausstehende Beförderung gerechtfertigt wäre. Ich stehe also vor Brieseltrim, diskutiere, gestikuliere, schimpfe und fluche, aber er wird nicht weich.

Erst, als ich ihm ein paar schnelle Schwerthiebe demonstriere und meine stahlharten Muskeln spielen lasse, erkennt Briesel, dass ich nun soweit bin. Nun gut, Muskeln sind nicht alles, ein richtiger Kämpfer muss auch seinen Kopf gebrauchen können, also einigen wir uns darauf, dass ich ihm einen ausführlichen Bericht über den Schuppenpanzer von Lofwyr abliefere. Lofwyr, der Legendäre, der Dunkle, Herr über die Finsternis.

„Naja, auch Legenden werden älter“ denke ich mir, „Lofwyr ist bestimmt keine allzu große Herausforderung mehr für einen gut trainierten Trves, der alle Taktiken und Feinheiten des Kampfes kennt. Wir werden ja sehen.“

Ich rüste mich also aus, mach mich wintertauglich, denn der alte Knabe hockt bekannterweise im hohen Norden. Als gewiefter Taktiker nehme ich mir auch noch einen Satz Feuerwaffen mit, denn die Biester im Polargebiet sind meist ziemlich empfindlich gegen feurigen Schaden. Lofwyr gehört zwar der Gattung „Drache“ an, aber man kann ja nie wissen und Vorsorge ist besser als Nachsicht oder wie auch immer. Da ich mich alleine auf den Weg mache, pack ich mir noch etwas Wegzehrung ein, Lembas ist einfach delikat, auch wenns teuer ist. Als Mann von Welt gönn ich mir diesen Spaß. Man lebt ja schließlich nur einmal, mindestens bis zum nächsten Kurzbesuch bei Lars.

Vollgerüstet, den Kopf klar und frei, das Schwert geschliffen und poliert, mach ich mich also auf den Weg. Aus alten Tagen weiß ich tatsächlich noch, wo ich lang muss und nach ein paar Kneipenaufenthalten und einer interessanten Nacht (keine Details…) stehe ich dann im Polargebiet (übrigens, eins der schönsten im ganzen Morgengrauen – das muss mal gesagt sein). Kurz orientiert – und schon habe ich Marvins Show der Wunder gefunden. Mit dem passenden Ticket ist der Eintritt in das Zelt kein Problem und auf der anderen Seite falle ich fast von alleine durch den etwas versteckten Ausgang wieder hinaus.

Den Spuren im Schnee folgend finde ich bis zur Höhle und auch der ebenfalls gut getarnte Eingang ist für einen Kämpfer mit Köpfchen kein Hindernis. Ich falle einen ziemlich tiefen Schacht hinunter und lande etwas unklassisch in einem riesigen Haufen stinkendem Zeugs.

Es ist ziemlich kalt und wegen der dauernden Sauferei ist meine Nase ganz angeschwollen, so rieche ich zum Glück nicht, wie meine prächtige Rüstung verdreckt mit Fäkalien vor sich hinstinkt. Trotzdem bin ich jetzt richtig sauer und will Blut spritzen sehen. Viel Blut! Und bestimmt nicht meins. Der Drache ist schnell aufgestöbert und wird einer intensiven Prüfung unterzogen.

Das geschieht selbstverständlich in Sekundenbruchteilen, denn das Auge ist ja schließlich geübt. Aha! Gut, dass ich mein Arsenal an Feuerwaffen den ganzen Weg bis hierher mitgeschleift habe, es zahlt sich tatsächlich aus. Ein mörderischer Kampf entbrennt, dessen Sieger natürlich von vornerein feststeht, dennoch bin ich froh, noch einen Bissen Lembas übrig zu haben. Nun habe ich die nötige Kraft, dem Drachen zu zeigen, wo der Bartli den Most holt, wie wir Eidgenossen zu sagen pflegen.

Wie erhofft, spritzt das Blut nur so in Strömen, ja, es bilden sich sogar richtige Blutlachen am Boden, sowas wärmt des Kämpfers Herz. Der Kampf dauert an, aber schlussendlich gewinne ich die Oberhand und setze zu dem alles vernichtenden Todesstoß an. Der Drache blinzelt verwirrt, seufzt etwas, was man bestimmt mit „Nicht schon wieder!“ übersetzen könnte, und fällt krachend zu Boden. Das viele Blut fließt zu einer riesigen Blutlache zusammen. Diese Blutlache ist so groß, dass ich glatt darin baden könnte, was ich einer Eingebung folgend auch tue. Und nun passiert etwas, das über das Fassungsvermögen eines Trves hinausgeht. Das Blut verdickt sich, bleibt an mir kleben, wird dicker und dicker und schwärzer und ehe ich mich versehe, hat das geronnene Blut eine Art Schuppenpanzer um mich gebildet. Einen Kämpfer kann ja eigentlich nichts erschüttern, ich stehe jedoch trotzdem etwas fassungslos neben der gigantischen Leiche von Lofwyr und blinzle meine neuste „Errungenschaft“ an. Jetzt ist allerdings nicht die Zeit, philosophische Überlegungen anzustellen. Zuerst muss ich den Weg raus aus dieser stinkenden Höhle finden. Nach kurzem Herumforschen finde ich einen versteckten Ausgang, plündere unterwegs noch Lofwyrs Schatzkammer, die übrigens reichlich gefüllt war, und ehe ich mich versehe, stehe ich geblendet im grellen Tageslicht. Ich säubere meine Ausrüstung so gut es geht, und mache mich auf den langen und beschwerlichen Weg nach Hause.

Das Klopfen eines Spechts reißt mich aus meinen Gedanken und ich springe aus dem Sessel. Ich bin plötzlich voller Tatendrang und muss diesen seltsamen Schuppenpanzer endlich genauer in Augenschein nehmen. Eine erste Analyse bringt allerdings nichts Besonderes zum Vorschein. Die Schuppen sind zwar ziemlich zäh, aber einem richtig scharfen Schwert werden sie nicht lange widerstehen. Mein Prädikat soweit: „Recht gut“. Vielleicht besitzt der Schuppenpanzer ja noch versteckte Eigenschaften, die die Kämpfer unterstützen würden, aber auch hier herrscht leider Fehlanzeige. Beim allseits beliebten Ellbogenschlag bietet dieser Panzer keine besondere Unterstützung. Weder spitze Stacheln noch scharfe Scherben oder Magie in irgendeiner Art habe ich bei meinen ausgiebigen Untersuchungen an diesem Panzer erkennen können. Nun gut, der wahre Wert dieser Rüstung wird sie jetzt im Kampf beweisen müssen. Ich raff mich also auf und starte einen ausgedehnten Test-Feldzug. Unzählige Monster opfern alsdann ihr Leben im Dienste der Wissenschaft.

Ausgiebige Tests bestätigen den ersten Eindruck: Der Schuppenpanzer fällt in die Kategorie „mittelklassige Rüstung ohne kämpferische Boni“. Obwohl der Panzer auf recht magische Art und Weise entstanden ist, schützt er uns Kämpfer nicht vor den zu Recht gefürchteten „besonderen“ Attacken mancher magisch begabter Monster. Nur eine einzige besondere Eigenschaft habe ich bei meinen Studien in Erfahrung bringen können: Dieser Panzer ist besonders anhänglich. Sogar wenn ich das Feld „unehrenhaft“ verlasse und dabei meine ganze Ausrüstung verliere, bleibt der Schuppenpanzer treu und ergeben an mir haften. Erst der Tod hat ihn mir nehmen können.

Im Vergleich zu den fortschrittlichen Rüstungen, die der Kämpfer heutzutage (wenn auch unter größerem Aufwand) erstehen kann, steht der Schuppenpanzer etwas blass da. Ich empfehle ihn deshalb nur als „Frühstückspanzer“ – sprich, eine Rüstung, die man dem Effekt wegen anzieht, denn man sieht darin äußerst gefährlich aus, der Schutz dagegen ist eher mittelklassig.

Damit möchte ich den Bericht abschließen und wünsch allen viel Spaß, die dieses Abenteuer gerne selbst erleben wollen.

i.A. von Brieseltrim, Schwertmeister Muddel