Nach langem und hartem Training kam auch für mich der Tag, an dem ich durch Generalin Zephyr erfuhr, dass ich bei Kommandant Brieseltrim Grieselhuck vorsprechen sollte. Es war also soweit, ich sollte endlich erfahren, über welches Thema ich mein Wissen mehren und es mit allen anderen Mitgliedern des Koru-Tschakar-Struvs teilen sollte. Einigermaßen aufgeregt eilte ich sogleich zum Kommandanten, wo mich Takal´Mor Dirion ob meiner Nervosität rügte und mich zur Ruhe anhielt. Diesen Rat befolgend sammelte ich mich kurz, nahm erst einmal Haltung an und salutierte vor Kommandant Brieseltrim. Dieser blickte daraufhin von seinem Schreibtisch auf, sah mich an und begann zu sprechen.

„Takal´Mor Golas! Wie ich sehe, hat meine Nachricht Sie erreicht. Es ist nun an der Zeit, dass nicht mehr nur Ihre Fähigkeiten im Kampf, der Ausbildung und der Erbringung von Diensten für unser Struv gefragt sind. Mit dieser Aufgabe ist Ihr Wissen und Forscherdrang gefragt. Es geht um Ihren Forschungsbericht. Begeben Sie sich an Orte, wo kein anderer vor Ihnen war und berichten Sie von diesen selten besuchten Orten. – Wegtreten!“ Nach einem kurzen „Sir, danke, Sir“ salutierte ich abermals und machte mich sofort an die Arbeit. Naja, nicht augenblicklich. Erstmal teilte ich meine Freude über dieses Thema mit meinen Freunden und erhielt sogleich einige Anregungen. Nach den ersten Eindrücken, begann ich mir Gedanken zu machen.

Wo gehe ich oft hin? Wo sieht man mich so gut wie nie? Mir fiel schnell auf, dass es von Rasse zu Rasse und von Gilde zu Gilde sehr unterschiedlich ist, wo man sich häufig aufhält. Was macht schon ein Kleriker in der Gilde der Chaoten oder umgekehrt … na gut, Spitzhüte sind schon öfter im Struv gesehen worden! Mir wurde klar, dass dies kein einfacher Bericht ist und er durchaus Forschungsarbeit und Gespräche mit Freunden und Fremden erfordert.

Das erste Mal hatte ich dieses Erlebnis, nicht genau zu wissen, wo ich bin, als ich in der Schreckensspitze war. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich eines Tages mein Feuerschild vom Feuerteufel abholen wollte. Natürlich wollte er es mir nicht ohne einen kleinen Kampf abtreten und so kam es, wie es kommen musste. An diesem Tag hatte ich jedoch den verheerenden Fehler gemacht, mich nicht hundertprozentig auf den Kampf vorzubereiten. Folglich kam ich in arge Bedrängnis und musste mich erst einmal zurückziehen, um mich zu sammeln. Doch halt! Wo war ich denn plötzlich? Ich musste in meiner Bedrängnis in die falsche Richtung gegangen sein. Ich drehte mich um, sah aber nur eine Wand. Nach einer kurzen Untersuchung stellte sich bald heraus, dass diese Wand nur eine Illusion darstellte. Da mich der Feuerteufel nicht zu verfolgen schien, beschloss ich mich kurzerhand dieses für mich jungfräuliche Gebiet erst einmal zu erkunden. Nach einem kurzen Aufstieg verspürte ich einen kühlen Luftzug und erblickte schließlich den freien Himmel. Doch damit nicht genug! Bei diesem Ausblick über den Gletscher stockte mir beinahe der Atem. Ich beschloss, öfter hierher zu kommen und hatte in der darauffolgenden Zeit immer wieder schöne aber auch traurige und schwierige Gespräche an diesem Ort.

Auf meinem weiteren Weg bemerkte ich auf der Hochebene ein Gebüsch. Genauer gesagt fiel mir die efeubewachsene Wand dahinter auf und so entdeckte ich einen kleinen Pfad, dem ich kurzentschlossen folgte. Ich gelangte nach kurzer Wanderung an einen Höhlenkomplex. Sehr verwinkelt offenbarte er mir jedoch keine größeren Überraschungen. Lediglich in der Parallelwelt entdeckte ich einen recht schlagkräftigen Wasserbewohner, der meiner Klinge jedoch nur wenig entgegenzusetzen hatte.

Mein nächstes Ziel war der ferne Westen. Jeder wird schon einmal dort gewesen sein. Sei es, um Lan Wun zu helfen oder die Schriftrollen des Konfusius wieder zu beschaffen. Doch nur die Kühnsten der Kühnen werden sich in die Unterwelt unter der Stadt Xian trauen. Diese recht feindselige Gegend ist so umfangreich, dass sie sich gut für einen eigenständigen Bericht eignet. Westlich des Reisfeldes an einem Fluss konnte ich nach kurzem, gefahrlosem Kampf das Versteck einiger Piraten ausheben und einen weiteren Sieg erzielen.

Ich setzte meinen Weg nun fort zu einer weiteren recht unbekannten Sehenswürdigkeit ganz in der Nähe von Drachenhort. Für Freunde leckerer Gerstenkaltschalen ein absolutes Muss: die Ambossbrauerei.

Recht unscheinbar wirkt das Gelände zuerst, doch wenn man den Innenhof betritt, ist man vom Charme der Brauerei sofort gebannt. Wunderschöne Backsteingebäude faszinieren und ein sehr gemütlicher Biergarten lädt dazu ein, das frisch gebraute Bier zu probieren. Leider sind nicht alle Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich, doch kann man dort einige interessante Fakten zum Thema Bierbrauen erfahren. Nicht weit von der Brauerei entfernt liegt ein Gebiet mit verträumten Flussauen und einem kleinen See.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees eröffnete sich mir ein recht großes Gebiet. Gespannt auf neue Dinge, die ich erhoffte zu finden, bahnte ich mir meinen Weg durch schier endlose Wälder, bis ich schließlich zu einem Dorf kam, dessen Einwohner sich Mahahi nennen. Ganz in der Nähe des Dorfes erblickte ich eine Kultstätte des Steinkultes.

Wissbegierig wie ich war, wollte ich eintreten, doch wurde mir – wenn auch nicht lange – der Eintritt verwehrt. Der Altarraum war ähnlich schlicht und einfach eingerichtet wie das Dorf zuvor. Weiter im Süden entdeckte ich dann ein Bergwerk, dessen einziger Bewohner sich sichtlich durch meine Anwesenheit gestört fühlte …

Nach dieser kurzen Einlage beschloss ich, dem Schacht des Bergwerkes weiter nach oben zu folgen und gelangte an ein uraltes Fort, welches sich leider unter keinen Umständen betreten ließ. So kehrte ich um und ließ diese Wälder hinter mir.

Dem Tipp eines Freundes folgend wollte ich nun zum Chaosberg. Sein Gipfel wird von meinem Freund als einer der einsamsten und ungestörtesten Orte bezeichnet. Das klang vielversprechend. Auf meinem Weg gen Norden erspähte ich noch eine der wohl unrühmlichsten Sehenswürdigkeiten des Morgengrauens. Ich habe wohl noch nie einen so verschmutzten See gesehen. Ich wollte diesen Schandfleck möglichst schnell verdrängen und beschloss, mich erstmal in Snarken bei einem kleinen Schluck auszuruhen.

Frisch gestärkt schlenderte ich dann die Waldstraße entlang. Als ich an einer Statue vorbeikam, entdeckte ich einen Pfad, der mir bis dahin nicht aufgefallen war. Er führte mich zu einem morastigen Gebiet, welches ohne Zweifel nur selten besucht wird. Durch eine Baumgruppe wurde ich auf einen Weg durch den Sumpf aufmerksam, doch fand ich dort nichts von größerem Interesse. Mir eröffnete sich durch meine Wanderung nur ein anderer Weg zur Karawane nach Fernwest.

Doch mein Ziel war immer noch der Chaosberg und so folgte ich der Waldstraße weiter gen Norden. Ganz in der Nähe der Kilghards erspähte ich durch einige Bäume hindurch den Gipfel des Chaosberges. Bedrohliche Wolken zogen auf halber Höhe des Berges dahin und mir wurde schnell klar, dass der Aufstieg nicht einfach sein würde. Auf dem Weg zum Kilghard-Pass erblickte ich eine Stelle, wo der Schnee zertreten war und dieser unscheinbare Pfad führte mich tatsächlich zum Fuß des Berges. Nach einem wahrlich anstrengenden Aufstieg, bei dem ich auf recht heftige Gegenwehr traf, erklomm ich schließlich den Gipfel. Ein weiteres Mal eröffnete sich meinen Augen ein wunderschöner Ausblick über die Tundra. Ansonsten bot der Gipfel jedoch recht wenig Interessantes; einzig eine Spalte, die leider noch verschüttet war, erweckte meine Aufmerksamkeit. Ich beschloss später noch einmal den Aufstieg zu wagen.

Da ich schon mal in der Nähe war, bot sich mir mal wieder die Gelegenheit, eine Portion Rabbithorn mit einer leckeren Buttermilch in Neskaya zu mir zu nehmen. Und so begab ich mich über den Pass in das Darkovertal. Diese Gegend wurde bereits mehrfach in anderen Berichten erwähnt. Zum Beispiel in dem Bericht von General Mindblade und dem von Generalin Devilchen. Dieses Gebiet mag durch den recht gefährlichen Weg über den Pass schwer zu erreichen sein, dennoch kommen immer wieder tapfere Kämpfer und Krieger des Chaos hierher, um der Stadtwache von Neskaya zu helfen oder andere Aufgaben im Dienste ihrer Gilde zu erledigen.

Nach den Strapazen des Tages gönnte ich mir noch eine kleine Entspannung in der Sauna gegenüber des Gasthauses „Amundsen und Scott“. Ich entsinne mich an eine sehr nette Zeit mit einer wundervollen Frau dort …

Im Übrigen kann man dem dortigen Masseur ein Handtuch abschwatzen, um sich mal richtig zu entspannen.

Ich begann den folgenden Tag mit einigen Gesprächen über diverse Inseln und erfuhr, dass von der Sonneninsel aus ein Luftkissenboot seine Route fuhr. Diese, für mich nicht ganz neue Information, verfolgte ich sogleich und fuhr zunächst mit einer Jolle zur Sonneninsel. Im Westen der Insel, nahe einem uns allen bekannten Steg mit einem brummeligen Seebären, entdeckte ich eine kleine Bucht und erspähte auch gleich besagtes Luftkissenboot. Dieses, von Orks angetriebene Gefährt, beförderte mich mit atemberaubender Geschwindigkeit zu einer Insel, welche mir aus dem Berichten von Generalin Lillebror bereits bekannt war: der Feuerinsel. Auf dieser Insel liegt ein mächtiger Vulkan, in dessen Inneren unter anderem eine Höhle zu finden ist. Im Südwesten der Höhle kann man einiges über die nordische Mythologie erfahren. Im südöstlichen Teil begegnet man Ghouls, die interessante Waffen und Rüstungen bei sich haben. Die Magieinsel, welche mit einem Geisterschiff von der Feuerinsel aus zu erreichen ist, wird ebenfalls in dem Bericht von Generalin Lillebror erwähnt. Wer weiteres über die Magieinsel erfahren möchte, dem rate ich, den Bericht von General Heromcfly zu lesen.

Auf dem Rückweg mit dem Luftkissenboot machte ich noch einen kleinen Abstecher zur Rieseninsel. Mir blieb allerdings verborgen, wo diese Riesen sich aufhalten. Die einzige Person, die ich dort traf, war nicht einmal zwei Schritt groß. Doch wer weiß schon, ob sich auf dieser Insel in Zukunft nicht noch etwas tun wird …

Die nächste Insel, die ich ansteuerte, war Aurora. Auf dieser Insel haben die meisten von uns bestimmt schon einige Abenteuer erlebt, vermutlich jedoch noch nicht im Nordosten, in Tarko Reub. Diese Stadt sieht vermutlich nur selten Besucher. An dieser Stelle möchte ich auf den Bericht von General Shade verweisen, der diese Stadt längere Zeit besucht hat und der Bevölkerung einen großen Dienst erwiesen hat.

Als nächstes stand für mich das verlorene Land auf dem Plan. Orkhausen und das Holzfällerlager wird wohl jeder kennen, aber östlich des Rodungsgebietes liegt ein sehr dichter Wald. Die dort beheimateten Tiere sind mit sehr wenigen Ausnahmen völlig ungefährlich. Die Vielfalt an Pflanzen muss man wohl als chaotisch bezeichnen. Laub- und Nadelbäume stehen hier dicht an dicht. Im Drudenwald entdeckte ich bei einem Geist einen Monolithen mit diversen Amuletten, die ich jedoch nicht an mich bringen konnte. Im östlichen Bergland befinden sich noch ein kleines Lager der Orkbrenner und eine Druidenfeste.

Abschließend möchte ich nochmal zum Anfang meines Berichtes zurückkehren. Am Eingang der Schreckensspitze gibt es eine Hängebrücke. Mein erster Versuch, diese zu überqueren, endete in einem sehr schmerzhaften Absturz. Ich entschloss mich, eine sicherere Gangart anzunehmen und gelangte schließlich unbeschadet auf die andere Seite. In den Wäldern dort schien es von dubiosen Gestalten nur so zu wimmeln. Zwar wollten mir die meisten nichts Böses, aber man sollte dennoch mal einen Gra´Takal mit der Säuberung dieses Gebietes beauftragen; vielleicht sogar mit einem Auszubildenden. Östlich dieses Waldes liegt ein kleiner Friedhof und nördlich ein Schloss, aus dem seltsame Geräusche zu hören waren. Nach heftigem Hämmern(!) gegen die Türen in diesem Schloss wurden diese auch geöffnet und es stellte sich heraus, dass in diesem Schloss vier Kapellen spielen. Die Entscheidung, ob man diese Geräusche als Musik bezeichnen sollte oder kann, bleibt jedem selbst überlassen.

Einigermaßen angestrengt von meiner Forschungsreise wollte ich diesen Bericht verfassen und schaute mal bei Susi Siebenscheich rein, ob der neue Aufenthaltsraum schon fertig renoviert war. Da er erst in den nächsten Tagen eröffnet werden sollte, begab ich mich in mein Café in Port Vain und stellte ein weiteres Mal fest, dass ich mich der Innenausstattung widmen sollte, damit es nach Möglichkeit nicht zu der Liste selten besuchter Gebiete des Morgengrauens zählt.

Takal´Mor Golas

PS: Einige selten besuchte Gebiete im Morgengrauen sind so umfangreich, dass man Offiziere mit der Erforschung dieser beauftragt hat. Beispielsweise widmet sich Offizier Gandur in seiner überaus knappen Zeit dem Warokgebirge und Offizier Hight hat sich das Schemenreich näher angesehen. Um diesen Berichten nicht vorzugreifen habe ich diese Gebiete nicht weiter erwähnt.